
Fluchtlinien
[Intro – Female Spoken Word, warm, traurig] "Niemand verlässt seine Heimat, weil er Abenteuer sucht. Sondern weil der Boden unter den Füßen zu brennen beginnt." [Verse 1 – Male Rap] Ein Koffer auf dem Boden, halb gefüllt mit halbem Leben, Fotos, Papiere, bisschen Kleidung – keine Zeit, sich zu erhebn. Die Straße voller Staub, irgendwo ein dumpfer Knall im Kern, er zieht sein Kind am Arm, sagt: "Komm, wir müssen weg von hier – ganz fern." Die Wohnungstür bleibt offen, Schlüssel steckt noch im Metall, der Fernseher zeigt stummen Krieg, doch draußen wird er real. Er war nie Soldat, nie Kämpfer, nur Mechaniker im Viertel, doch jetzt ist seine Stadt 'ne Karte mit 'nem roten Ziel im Gürtel. Die Route unsichtbar am Himmel, sichtbar nur in seinem Blick, von Nahost bis auf die Karte, die man "Europa" nennt – ein Schritt, der für uns nur 'ne Statistik, für ihn alles ist, was bleibt, Fluchtlinie durch die Welt gezogen – von der Not in neue Zeit. [Pre-Chorus – Male Rap, Female leise Harmonien] Er fragt: "Bin ich noch Bürger oder nur noch Nummer auf Papier?" Und hofft, dass irgendwo da draußen jemand sagt: "Komm, bleib bei mir." [Chorus – Female Lead, melancholisch, hoffnungsvoll, Male Ad-libs] Fluchtlinien ziehen sich über Meer und Land, durch jedes Herz, das ihren Schmerz erkennt, nicht nur die Hand. Kein Mensch ist illegal, nur sein Krieg ist es gewiss, und wer flieht, der tut das nicht, weil’s ihm zu langweilig hier ist. Fluchtlinien – wir könnten Brücken sein, oder Mauern aus Beton, kalt und klein. [Instrumental – Piano & Pads, 8–12 Takte] [Verse 2 – Male Rap] An Bahnsteig 3 in uns'rer Stadt steigt er aus dem überfüllten Zug, ein Rucksack und zwei Augenpaare – müde, alt und doch noch jung. Die Durchsage im Hintergrund, Sprachen prallen aneinand', hier 'ne Demo gegen Waffen, dort 'ne Schlange vorm Amt. Die einen schrei'n: "Zu viele!", andre leise: "Gott sei Dank, dass er lebend hier angekommen ist – nach Boot, nach Schlepperbank." Ein Kind malt Sonne an die Wand im engen Übergangsquartier, draußen liest du auf dem Handy: "Krise durch Geflüchtete hier." Doch die Krise kam von oben, nicht von Booten über's Meer, von Verträgen, Bomben, Deals – nicht vom Mensch, der um sein Leben rennt, so leer. Und wenn Nahost in Flammen steht, bleibt die Asche nicht vor Ort, sie wird Atemzug der Welt – in jedem Land, an jedem Ort. [Pre-Chorus – Duett, eindringlicher] Er fragt: "Darf ich hier Mensch sein, oder bleib ich ewig Gast?" Wir antworten, wie wir handeln – nicht mit dem, was man nur fasst. [Chorus – Duett, stärker] Fluchtlinien ziehen sich über Meer und Land, durch jedes Herz, das ihren Schmerz erkennt, nicht nur die Hand. Kein Mensch ist illegal, nur sein Krieg ist es gewiss, und wer flieht, der tut das nicht, weil’s ihm zu langweilig hier ist. Fluchtlinien – wir könnten Brücken sein, oder Mauern aus Beton, kalt und klein. [Instrumental – Beat-Break, nur Drums & Bass, 8 Takte] [Bridge – Female Spoken Word, klar, mit Wärme] "Du musst nicht alles versteh'n, um Mensch zu sein. Es reicht, zu wissen: Wenn Bomben auf dein Dach fallen würden, würdest du auch gehen. Und hoffen, dass irgendwo jemand die Tür aufmacht – nicht die Faust." [Verse 3 – Male Rap, hoffnungsvoll-kämpferisch] Stell dir vor, an uns'ren Grenzen stünden nicht nur Zäune, Licht, sondern Hände, die begreifen: "Dein Schicksal ist auch meins – so schlicht." Stell dir vor, in uns'ren Städten sagt man klar: "Kein Krieg mehr dort", denn jeder Feuerball im Osten bringt uns neue Flucht nach vorn. Wenn wir gegen Waffenlieferung die gleiche Wut entfesseln, wie gegen Menschen, die nur atmen woll'n – dann würd sich was verbessern. Denn nicht der, der hier Schutz sucht, ist Problem und Wurzelgrund, sondern jene, die an Kettenziehn und Deals sich fett und rund. Wir sind Völker, die entscheiden, ob aus Wegen Mauern werden, ob aus Fluchtlinien Verbindungen oder neue kalte Härten. Und vielleicht beginnt der Frieden dort, wo wir "Fremde" neu definier'n: als Gesichter, die uns zeigen, was auch wir verlier'n könnten – wie wir frier'n. [Pre-Chorus – Beide, leiser, emotional] Er fragt: "Gibt es einen Ort, an dem ich wieder leben darf?" Wir antworten mit Strukturen – oder wirklich mit dem Herz. [Chorus – Finales Duett, kraftvoll-hoffnungsvoll] Fluchtlinien ziehen sich über Meer und Land, doch wir entscheid'n, ob man am Ende Heimathafen fand. Kein Mensch ist illegal, nur der Wahnsinn, der ihn jagt, und wir könn'n "Nein" zu diesem Wahnsinn sagen – heut und ohne Frag'. Fluchtlinien – wir können Brücken sein, bis kein Mensch mehr vor Raketen flieh'n muss, ganz allein. [Outro – Instrumental, Piano weich, Pads, Female Spoken Word flüsternd] "Niemand verlässt seine Heimat gern. Aber jeder hat das Recht, irgendwo anzukommen."

