ein paar meiner Gedanken zum Tod [inspired by Rainer Maria Rilke “Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens”] [verse1 | vast, sparse, elevated] Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Sieh, wie klein dort, sieh: die letzte Ortschaft der Worte, und höher, aber wie klein auch, noch ein letztes Gehöft von Gefühl. Erkennst du’s? Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Steinige Kämme unter den Händen. Hier blüht wohl noch irgend ein letztes Bewusstsein; aber das Unbehauste geht fort. Stille. --- Viele ferne, vielleicht nie erreichte Gegenden liegen in dieser Gegend. Und die Verlassenen gehen mit uns. [hier ist Rilke zu Ende] [verse2 | fractured, mirrored, drifting] Ein Dichter hat uns einmal beschrieben. Als Wesen, die sich im falschen Monat treffen. [inspired by Joannis Altomirianos] Ich ein Junikäfer, der zu spät ist, frage in orientierungsloser Anmut nach den alten Schrecken. Er ein Herbstblatt, das zu früh ist. Verfaulend bereits so vertrocknet, dass es die nächste frische Brise davonträgt. [whispered as fragmented Memory : ] (Ich erkannte uns darin verkehrt gespiegelt.) (Ich, die noch Halt sucht.) (Er, der sich schon löst.) Und wenn meine Empörung darüber schweigt, ob das Leben sich leichter trägt, wenn man früh falsch liegt — dann fühle ich die Sehnsucht, wie schön es doch wäre, dermaßen schwerelos zu fallen. Und die Verlassenen gehen mit uns. [bridge1 | suspended, minimal] dann fühle ich die Sehnsucht, (wie schön es doch wäre) dermaßen schwerelos zu fallen. "Remember me. But forget my fate." [Zitat aus Lido's Layment von Purcell] "Die guten ins Töpfchen - die schlechten ins Kröpfchen." [Zitat aus "Aschenputtel"] Erinnerung bleibt innen. Das Schicksal wird außen. [verse3 | quiet, photographic, distant] Mein Blick fällt auf das alte Foto von uns fünf Geschwistern. Zwei sind nicht mehr da. Einer hält noch fest an einer Ordnung der ewigen Welt, die ich nicht mehr teilen kann. Der andere steht mir am nächsten. Da auch er ohne festen Halt. Meine letzte Verbindung nach außen, die noch nicht aufgehört hat, Verbindung zu sein. [pre-outro | fading, dissolving] Solange er da ist, bleibt etwas außerhalb von mir erreichbar. (Nicht Halt.) Nur Bezug. Noch ist nicht alles nach innen gefallen. [outro1 | resolved, closing, final cadence] Oder halte ich mich gar nicht. Nicht an innen. Nicht an außen. Nicht an dem, was bleibt. Nicht an dem, was geht. Nur an dem Zustand, in dem beides bereits aufgehört hat, Gegensatz zu sein. [bridge2 | fragile, intimate] [dreamlike, whispering, breathing] Psst - Oma - bist du noch da (oder schon weg). Ich wollte dir noch (meinen Traum) erzählen. Der handelt von dir. - Ein fallendes Blatt. (Ahorn) - Erst geformt wie ein Stern. - (Dann wie eine Hand.) - Hast du das noch gehört? [drop | silence-like, minimal, empty][short pause] --- [outro2 | resolved, closing, final cadence, fading] Oder halte ich mich gar nicht. Nicht an innen. Nicht an außen. Nicht an dem, was bleibt. Nicht an dem, was geht. Nur an dem Zustand, in dem beides bereits aufgehört hat, Gegensatz zu sein.


