[Intro] wann hab ich mich in dich verliebt ich suche die stelle wie eine Nadel im Stoff als hätte mein Herz heimlich etwas unterschrieben und ich war zu spät, um zu lesen, was vielleicht war es an dem Tag, als du gelacht hast nicht dieses große Kino-Lachen eher so eins, das dir kurz die Luft klaut und mir gleich mit da standst du mit kalten Fingern an der Tür und hast mein Name gesagt, als wäre er etwas Vertrautes als hättest du ihn schon oft im Mund gehabt und ich habe gelächelt, viel zu schnell wie jemand, der merkt, dass er getroffen wird oder war es später als du mir von deiner Mutter erzählt hast von der Suppe auf dem Herd von dem alten Teller mit dem Sprung und ich dachte wie kann ein Mensch so genau von kaputten Dingen sprechen ohne selbst kaputt zu klingen du hast die Gabel gedreht hast auf den Tisch gesehen und ich ich habe dir zugehört, als wäre Zuhören schon Lieben ich glaube, ich habe es gemerkt an den kleinen Sachen dass ich auf deine Schritte wartete dass ich deinen Satz im Kopf fertig machte bevor du ihn überhaupt anfingst dass ich mir vorm Schlafen ausdachte wie dein Gesicht aussieht, wenn du müde bist nicht schön nicht hübsch sondern wahr wann hab ich mich in dich verliebt war es bei dem ersten Schweigen zwischen uns diesem warmen, unbequemen Schweigen in dem nichts fehlte und trotzdem alles offen war ich saß dir gegenüber du hast mit dem Daumen über den Rand vom Glas gestrichen einmal zweimal und plötzlich war mein ganzes Inneres auf deine Bewegung geeicht ich will nicht lügen ich habe es nicht sofort verstanden ich bin durch deine Nähe gelaufen wie durch einen Flur mit offener Tür und jedes Mal, wenn du mich angesehen hast hat etwas in mir sehr leise Ja gesagt nicht wie ein Feuerwerk mehr wie ein Schlüssel, der endlich passt und vielleicht ist das die Wahrheit nicht dieser große Moment nicht ein Satz nicht ein Kuss sondern die Summe aus Blicken aus Wartezeiten aus den Sekunden, in denen du dich zu mir gedreht hast als wäre ich der einzige Ort im Raum an dem du gerade landen willst ich erinnere mich an deine Hände an das kleine Zittern, wenn du nervös bist an deinen Ärmel, den du immer hochziehst an den Krümel auf dem Tisch, den du weggestrichen hast so beiläufig so ruhig und ich schwöre, in diesem winzigen Bewegungsrest hat sich etwas in mir festgehakt wann hab ich mich in dich verliebt vielleicht genau in dem Augenblick als ich aufgehört habe zu fragen, ob ich es tue und angefangen habe, dich zu vermissen bevor du überhaupt weg warst (als du schon gegangen warst) (als ich schon längst bei dir geblieben bin) da war dieser eine abend in der küche das licht überm tisch zu grell dein glas halb voll, meins kalt geworden und ich hab so getan, als wär das egal hab neben dir auf das handy geschaut als könnte mich irgendwas dort retten und dann kamen diese kleinen momente dein name im handy die nachrichten, die ich nicht beantwortet hab als wäre still sein irgendwie klüger als würde warten alles ordnen als könnte man Nähe einfach aussitzen aber es wurde nur lauter in mir jedes schlucken, jedes warten hat mich weiter von mir selbst weggezogen bis ich gemerkt hab: ich kann das nicht mehr halten ich hab deine schritte im flur gezählt hab mich an das klicken von deiner tür gewöhnt an das kurze atmen vor dem schlafen an dieses fast nichts, das immer zwischen uns lag und ich hab mich selbst dabei ertappt wie ich dinge klein gemacht hab damit sie nicht so weh tun ich hab mir gesagt: morgen ist besser morgen schreibst du zurück morgen erklärst du das morgen klingelt dein name nicht mehr so schwer aber morgen hat sich nur an mir festgehalten hat sich im kaffeebecher gesammelt im nassen mantel am haken in der offenen tür von dem laden unten wo wir sonst immer noch schnell was geholt haben nicht so nicht nochmal ich darf nicht weiter tun, als wär nichts wenn alles in mir längst sagt, dass ich reden muss also steh ich jetzt hier mit beiden händen offen ohne die gute version von mir ohne die ausrede, die nett klingt und sag es nicht hübsch ich sag es zu spät ich sag es mit trockenem mund und mit dem ganzen dummen stolzen scheiß, der mich so lange festgehalten hat ich vermiss dich nicht erst seit heute ich vermiss dich seit dem ersten moment, in dem ich so getan hab als wäre dein fehlen nur eine sache von zeit als würde es von allein kleiner werden wenn ich nur genug beschäftigt bin wenn ich nur oft genug nicht antworte wenn ich nur lang genug still bleibe aber ich bin müde vom stillbleiben müde von diesem ständigen um den heißen brei müde davon, meine eigenen gedanken zu überholen müde von dem satz „passt schon“ wenn nichts mehr passt wenn selbst mein schlüsselbund im foyer lauter klingt als ich ich will nicht noch so einen abend wo wir nebeneinander sitzen und alles, was ich wirklich sage, in meiner jacke bleibt ich will nicht wieder so tun als wär das hier nur eine phase als müsste ich bloß abwarten, bis mein kopf sich beruhigt ich bin nicht beruhigt ich bin nur gut darin geworden, mich zu verstecken und vielleicht ist das der punkt: nicht dass du schon weg bist sondern dass ich endlich merk wie lange ich schon an der tür stand ohne sie aufzumachen wie lange ich schon geglaubt hab ich müsste mich kleiner machen damit das hier weitergeht ich kann das nicht mehr halten nicht in meiner brust nicht in den pausen zwischen deinen antworten nicht in dem satz, den ich zu oft geliehen hab: „ist schon okay“ wenn es nie okay war also nein nicht so nicht nochmal ich geh nicht weiter neben meinem eigenen leben her nur weil es einfacher aussieht, wenn ich leise bin ich sag es jetzt mit der stimme, die mir noch bleibt ich sag es jetzt bevor auch das noch verschwindet ich kann das nicht mehr halten nicht in meiner brust nicht in den pausen zwischen deinen antworten nicht in dem satz, den ich zu oft geliehen hab: „ist schon okay“ wenn es nie okay war also nein nicht so nicht nochmal ich geh nicht weiter neben meinem eigenen leben her nur weil es einfacher aussieht, wenn ich leise bin ich sag es jetzt mit der stimme, die mir noch bleibt ich sag es jetzt bevor auch das noch verschwindet ich pack die dinge nicht mehr wieder in die ecken nur damit du sie übersiehst dein halber blick, dein „später“ dein Teller kalt auf dem Herd und ich tu so, als wär das genug aber heute nicht heute stell ich mich hin ohne Ausrede, ohne Glättung ich geb dir nicht noch mehr von mir nur damit es ruhig bleibt ich will nicht klein sein, nur damit du Platz hast ich will nicht still sein, nur damit du dich sicher fühlst ich kann das nicht mehr halten und vielleicht ist das der Anfang dass ich endlich merk wie schwer ich mich selber trag ich nehm den Schlüssel vom Haken zieh die Tür nur halb zu kein Drama, kein großes Ende nur mein Schritt in den Flur und plötzlich ist da Luft da, wo vorher immer nur „gleich“ war du musst mich nicht verstehen du musst mich nicht mehr festhalten ich lern das gerade selbst mein Name ohne dein Okay meine Hände ohne diese Angst dass jede klare Kante zu viel ist ich kann das nicht mehr halten also fall ich nicht zurück ich geh nach vorn mit dem ganzen Kram in mir mit dem Rest von Mut der noch in der Jacke steckt