
Geträumt, Herr Ministerpräsident - 02.01.2003
Geträumt, Herr Ministerpräsident Welch ein Traum hat einen Wahrheitsgehalt? Mal ehrlich, im Traum geht`s nicht um Wahrheit, im Traum ist Dichtung oft die Wahrheit, weil man sich auch als Antipoet zu träumen traut, was poetisch nicht schöner auf einen Punkt zu bringen ist. Meine Bedienung im Cafe, d`Micha, die träumt auch so ein Zeug. Horrorgschichten, wie`s sagt, weil`s wohl zu lang Kinderprogramm für horrorverwöhnte Erwachsene als Betthupferl angschaut hat. Aber was hab ich bloß angschaut? Ih trau mich`s ja fast kaum zu sagen, ich träumte davon, dass ich einen Tag mit unserem bayerischen Ministerpräsidenten verbrachte. Das wär noch gar nicht der besondere Teil gewesen, es war vielmehr wie dieser Tag verlief und ich bin zuerst vor`m Ministerpräsidenten erschrocken. Ja Horror die nomoi nei, hab ih gsagt, ah des is Tarnung. Zotteln sand obeghängt über de Ministerohrwaschln. Graue Haar bis zur Schulter, ja den hod koana kennt. Grinst hod er wia a Honigkuchenpferd. Sowas träumt doch kein normal politisch denkender Mensch, aber ich kann mich beruhigen, schließlich hab ich auch vom Schröder schon mal träumt. Im Resultat hab ich mich zwar verträumt, aber den Rest nenn ma halt Dichtung. Also, ich zieh im Traum ohne Frau, nur mit der Landesspitze um die Cafehäuser, auch im Kaufhof am Marienplatz waren wir. Keiner hat den Ministerpräsidenten erkannt. Eine Verkäuferin hat gsagt, des war dann beim Kaut Bullinger, als ih Blattlzeug no besorgte, des war de Barbara. Hey Roland, was hast denn heut für an Hippie dabei? Der Hippie hat unter seinen Zotteln in weißgrau hervorgegrinst und hm gsagt. Psst, sei stad, hab ih gsagt, willst dass do herin rund geht? War des aufregend, mir sand dann ah no vor zum Stachus, weiße Socken kaufen. Was einem im Traum alles so einfällt und verfolgt. Da Ministerpräsident und ih stehn im Karstadt und wer kimmt und bedient uns bei den Socken? Ih hab ma denkt, ih hab mi in der Abteilung geirrt, da schmucke Edi. Des is da Edi, da Schmuckverkäufer, der wo mir doch den traumhaften Tipp mit meinem derzeitigen Stammcafe Rischart`s gab. Oh, hat er gsagt, was hast denn da heut für einen netten Mann dabei? Oh, hast die Minni und die Kinder gar ned dabei? Wie heißt er denn?, hat der Edi no gfragt. Edi, hab ih gsagt. Du Spaßvogel, erwiderte der Edi. Nimmst drei Paar Socken, schönen Gruß vom Sockenfalke, geht auf Kosten des Hauses. Da ham`s gschaut, die Edi`s. Solch ein Zeug träum ih. Wie ih dann über a Achterbahn zur leeren Wiesn grod nuntergrauscht bin, erzähl ih ein anderes Mal, des war auch ein ganz anderer Traum. Im Cafe hat dann der Cafehauswalter fast den Edi erkannt. Du, sagt der Walter, dein Spezi hat a Nasn wia wenn er da Ministerpräsident wär. Wenn ih`s ned wüsst, dat ih sagen..., aber der hat doch ned solche Zotteln wia a Yorkshire-Terrier. Na wart`s mal und da Edi hat an Kampe aus seinem Jogginganzug „Made in Franken“ rauszong. Der erste der oh gsagt hat war der oide Viktor, der Donauschwabe. Des is ja da Ministerpräsident. Aufwacha, Viktor, hab ih gsagt, sonst kimmst ma du no mi`m Milibauer daher, den kennt doch ah im Traum koana mehr. S´nächste Mal les ih abends a Tim und Struppi Hefterl.

