
Salz frisst jede Krone (The Storm Tamers)
[Choral Opening – sailors' choir, unaccompanied] Salz frisst jede Krone. Die See macht keinen Knicks. Sie scheißt auf eure Throne, auf Siegel, Rang und Tricks. [First Watch – Voice 3, low bass over swaying accordion] Mein Vater trug den Winter in den Nähten seiner Kluft. Noch heute riecht sein Kragen nach dem Tang und kalter Luft. Die Hände rochen immer nach dem Tauwerk und nach Teer. Doch hielt er mich im Arm, war selbst der Winter nicht so schwer. Sein Rücken war die Leiter für den Herrn im feinen Tuch; als er am Ende krumm blieb, stand „Verschleiß“ in eurem Buch. Er sagte: „Lass sie thronen. Ihre Größe ist gelieh’n von Menschen, die man müde macht, bis sie von selber knien.“ Ich trag die alte Jacke. Eure Namen sind verblasst. Doch wer von unserm Rücken lebt, bleibt für uns eine Last. [Refrain – full sailors' choir, broad and swaying] Salz frisst jede Krone, die See macht keinen Knicks. Sie scheißt auf eure Throne, auf Siegel, Rang und Tricks. Wir reichen uns die Hände, wenn jeder Halt zerbricht. Die See kennt keine Gnade — wir schon. Vergesst das nicht. [Second Watch – Voice 1, captain baritone with low choir] Ich leg dem jungen Fischer meinen schweren Mantel hin. Ich bin erst euer Käpt’n, wenn ich einer von euch bin. Wer redet, hält das Tau mit. Wer befiehlt, steht mit im Wind. Kein Mensch hat hier ein Vorrecht, weil die andern ärmer sind. Dein Vater hat mich damals aus dem Eiswasser gezogen. Ihr Herren hättet erst den Preis für so ein Seil erwogen. Er ließ mich nicht ertrinken. Das vergesse ich ihm nie. Ihm schulde ich mein Leben. Vor euch beug’ ich kein Knie. [Refrain – sailors' choir in unison, then opening into harmony] Salz frisst jede Krone, die See macht keinen Knicks. Sie scheißt auf eure Throne, auf Siegel, Rang und Tricks. Wir reichen uns die Hände, wenn jeder Halt zerbricht. Die See kennt keine Gnade — wir schon. Vergesst das nicht. [Deck Interlude – accordion and fiddle, heavy swaying footsteps] [Third Watch – Voice 2, raspy sung tenor] Ihr malt euch goldne Löwen über jedes Hafentor. Doch knackt es in den Planken, springt kein Löwe daraus vor. Ein Stammbaum ist bei Kälte auch bloß trockenes Holz. Er wärmt uns erst als Feuer. So viel zu eurem Stolz! Ihr nennt die Hände schmutzig, die euch volle Teller reichen. Und wollt mit weißen Handschuh’n uns aus euren Büchern streichen. [Lament – Voice 3, almost alone] Ich seh noch seine Hände, wenn ich die Augen schließ. Sie hielten mich, bevor die Welt mich fallen ließ. Nun halt ich andre fest, wenn ihre Welt im Sturm verweht. Damit von Vaters Wärme nicht das Letzte mit ihm geht. [Final Refrain – entire crew, soaring four-part harmony] Salz frisst jede Krone, die See macht keinen Knicks. Sie scheißt auf eure Throne, auf Siegel, Rang und Tricks. Wir reichen uns die Hände, wenn jeder Halt zerbricht. Die See kennt keine Gnade — wir schon. Vergesst das nicht. [Harbor Coda – sailors' choir, slowly unaccompanied] Salz frisst jede Krone. Kein Herr bleibt ewig groß. Wir halten hier einander. Wir lassen keinen los.


