
[Strophe 1] Der Regen peitscht seit Tagen, der Fels ist nass und kalt, hier oben in den Bergen, wo der Donner grollend verhallt. Der Geier liegt im Geröll, dicht an den Stein gepresst, gehetzt von dem Fremden, der ihm keine Ruhe lässt. Sein Gewehr ruht schwer in seiner Hand, er drückt sich an die Felsenwand. Er blickt durch die Linse, wischt das Wasser weg und sucht nach einer Regung unten im Dreck. Dort am Hang, kaum sichtbar im stürmischen Wehen, kann er endlich dessen Poncho sehen. Der Fremde lehnt am kalten Gestein, das Fadenkreuz rahmt seine Silhouette ein. [Strophe 2] El Buitre hält den Atem an, die Zeit scheint stillzustehen, in seinem Geist kann er den Anfang dieser Jagd noch sehen. Vor Tagen im Morgengrauen, die Wolken hingen schwer, saß er vor seinem Versteck, auf den Knien das Gewehr. Da sah er schwarzen Rauch aus dem Nebel ragen, der Geier erhob sich, um einen Blick zu wagen. Er strich sich den Regen vom eisigen Lauf und nahm lautlos die Spur des Fremden auf. [Strophe 3] Vom Gipfel hinab zum kahlen Stein, er tauchte tief in die Felsen ein. El Buitre kauerte an schroffen Kanten, suchte im Visier nach fremden Gestalten. Doch am Feuer schien kein Mensch zu sein, sein Fernrohr fing zwei Pferde ein. Auf einem lagen El Viudo und der Priester, im kalten Nieselregen, ihre toten Augen blickten dem Boden entgegen. Da zuckte am Hang ein kleines Licht, ein Schuss zerschmetterte den Stein, ein Splitter streifte seine Stirn. Blut lief ihm ins Gesicht, raubte ihm die Sicht, er rollte von der Kante weg, tiefer in den Fels hinein. [Strophe 4] Mit diesem Schuss begann die Jagd im schlammigen Gestein, kein Feuer wärmt die Nacht, kein Stern wirft seinen Schein. Seit Tagen kriecht El Buitre durch Regen und Wind, die Geier kreisen schon, weil sie hungrig sind. Er wagt nicht mehr zu schlafen, der Wahnsinn frisst ihn auf, er starrt in jeden Schatten, starrt auf seinen Waffenlauf. Der Fremde jagt ihn wie ein Geist durch das Massiv, ein unsichtbarer Henker, der ihn in die Enge trieb. Jeder Schritt ein Wagnis, die Stiefel nass und klamm, er schleppt sich müde weiter durch den kalten Schlamm. [Refrain] Der Geier kreist nicht mehr, er kriecht tief im Dreck, vor dem Fremden gibt es kein Versteck. Das Auge am Fernrohr, der Griff fest ums Gewehr, doch wer hier wen jagt, das weiß längst keiner mehr. Bis der letzte Schuss die Stille bricht, bleibt der Ausgang ungewiss. [Strophe 5] Gestern Nachmittag, da riss der Nebel auf, El Buitre hielt den Atem an, der Regen perlte auf dem Lauf. Er lag seit Stunden reglos da, im Schiefer und allein. Da rückt der Schatten ins Visier, ein Schuss erschüttert sein Revier. Das Blei traf den Jäger am Bein, sein Blut tränkte dunkel den Stein. Vom Jäger zum Gejagten – das Blatt hat sich gewendet. Der Geier steht auf, weil die Jagd hier endet. [Refrain] Der Geier kriecht nicht mehr, der Fremde drückt sich in den Dreck, für ihn gibt es kein Versteck. Das Auge am Fernrohr, der Griff fest ums Gewehr, doch wer hier wen jagt, das weiß längst keiner mehr. Bis der letzte Schuss die Stille bricht, bleibt der Ausgang ungewiss. [Strophe 6] El Buitre flieht nicht mehr, er folgte dem Blut hinab in die Schlucht und trieb den Fremden in die Flucht, doch in der Nacht gab es kein Ziel mehr für sein Gewehr. So kam es, dass er nun am nassen Felsen liegt, er hält den Poncho im Visier. Er rührt sich kein Stück, bis der Nebel verfliegt, für den Fremden endet es hier. El Buitre kennt kein Zögern mehr, er drückt den Abzug am Gewehr. Ein Schuss zerreißt die Stille, der Fremde sackt im Schlamm zusammen. Soll des Teufels Wille den Fremden noch verdammen? [Strophe 7] El Buitre klettert vom Felsen, tief in den Morast, befreit von der drückenden, tagelangen Last. Er tritt an den Poncho, reißt den Stoff herum, da starrt El Viudo ihn an, leblos und stumm. Als Köder drapiert, vom Jäger platziert, hat der Geier sich blind in die Falle verirrt. Noch eh er begreift, klickt im Rücken der Hahn, der Fremde, versteckt im Fels, zögert nicht lang. Zwei Schüsse beenden das tödliche Spiel, die Kugeln des Fremden treffen ihr Ziel. Der Geier fällt auf El Viudo, besiegt durch den Feind, in der Hölle sind sie wieder vereint. [Refrain] Der Geier kreist nicht mehr, er teilt sich das Pferd mit Bone und Viudo, die Gesichter dem Boden zugekehrt. Der Kopfgeldjäger reitet zum Friedhof hinab und bringt alle drei zu ihrem Grab.

