(Strophe 1) Die Richterin hat's aufgeschrieben, wo ist die Zeit nur hingetrieben? Der erste und der sechste Zehnte, ein schnelles Urteil man da wähnte! Alle sind schon vorgeladen, niemand kann den Ausgang ahnen. (Strophe 2) Doch halt, die Akten, dick und schwer, die müssen für die Richter her! Man sucht und fragt im ganzen Haus, wo steckt der dicke Aktenschmaus? Neun Bände und noch Sonderhefte drei, wo mögen all die Blätter sei'? (Strophe 3) Ein Anruf, schnell und klipp und klar, beim Oberstaatsanwalt, fürwahr! Mit viel Arbeit sitzt in seinem Raum, die Akten las er nur im Traum. Seit August liegen sie bei ihm, das findet er jetzt gar nicht schlimm. (Strophe 4) Er sagt am Telefon ganz frei: „Ach ja, die Post! Oh, ei, ei, ei! Die weiterzuleiten, ganz gewiss, hab' ich versäumt, was für ein Miss- geschick! Nun schick ich sie geschwind, fort mit dem allerschnellsten Wind!“ (Strophe 5) Doch OLG Rostock sagt: „Das wird zu knapp! Das schaffen wir nicht auf Trab. Bevor wir hier am zweiten Zehnten zusammenkommen, ist der erste Zehnte schon genommen.“ Die Fristen laufen, ach du Schreck, der ganze schöne Plan ist weg. (Strophe 6) Die Richterin, sie seufzt ganz sacht und hat die Termine plattgemacht. Sie schreibt's dem Präsidenten hin: „So hat das alles keinen Sinn!“ Doch als die Akte endlich kam, das Chaos seinen Lauf erst nahm. (Strophe 7) Denn in dem Stapel, alt und grau, war eine Seite nicht genau. Da klebt was Weißes, glatt und dicht, verdeckt die Zahl im Tageslicht. Und drüber steht in Blau, ganz keck: „Einhundertzweiunddreißig A“ – was für ein Zweck? (Refrain) Ja, die Einhundertzweiunddreißig A! Was hat sie zu bedeuten? Ist sie ein Fehler, ein Hurra? Oder ein Wink für clevere Leute? (Strophe 8) Das ist ein Stift zur Korrektur mit Schnee, es tut der alten Wahrheit weh. Man rollt es drüber, schnell und sacht, hat eine neue Welt entfacht. Die alte Zahl, sie ist begraben, von weißen Lügen zugescharrt von Knaben. Ein kleines Grab für das, was war, beschriftet von 'nem blauen Kugelschreiber. (Strophe 9) Man grübelt, ob das Zufall ist, ein Akt von bürokrat'scher List. Doch halt, die Zahl, sie kommt bekannt mir vor, sie flüstert mir was ins Juristen-Ohr. Einhundertzweiunddreißig A... Das ist doch aus dem StGB! (Refrain) Ja, die Einhundertzweiunddreißig A! Was hat sie zu bedeuten? Ist sie ein Fehler, ein Hurra? Oder ein Wink für clevere Leute? (Strophe 10) Der Paragraph, der sagt's ganz schlau: Wer Titel fälscht, der weiß genau, er stapelt hoch, betrügt mit Schein, will mehr als nur er selber sein. Der Oberstaatsanwalt, der schlaue Mann, schaut sich das Werk belustigt an und hat den Hinweis mit-serviert: „Seht her, wie man hier manipuliert!“ (Outro) Und die Moral von der Geschicht? Vergiss die Aktenpost nur nicht! Und klebst du Zahlen heimlich zu, lässt das Gesetz dir keine Ruh! Denn zwischen Schlamperei und List man oft den Unterschied vergisst.