
[Verse 1] Man vergisst zuerst die Kleinigkeiten, wo der Schlüssel liegt, welcher Tag heut ist. Sucht die Brille, die man selber trägt, geht in die Küche und weiß nicht mehr, weshalb. Das Telefon liegt im Kühlschrank, die Milch dafür im Schrank. Man lacht noch: „Wie kam das denn dahin?“ Und irgendwann lacht keiner mehr. [Pre-Chorus] Es geht nicht alles auf einmal. Es geht Stück für Stück. Ein Wort. Ein Name. Ein Weg. Und manchmal kommt er nicht zurück. [Chorus] Vergessen. Erst ein Wort und dann ein Name. Vergessen. Welcher Tag und welches Jahr. Vergessen. Wo man hinwollte, wo man herkam. Doch manchmal bleibt ein Gefühl noch da. Vergessen. Ein Gesicht wird langsam fremder. Vergessen. Eine Geschichte löst sich auf. Doch eine Hand kann noch vertraut sein, wenn die Erinnerung nicht mehr reicht. [Verse 2] Man stellt die gleiche Frage wieder. Für die anderen zum zehnten Mal. Für einen selbst ist sie ganz neu, also fragt man noch einmal. Man deckt den Tisch für fünf Personen, obwohl nur zwei geblieben sind. Man wartet auf jemanden zum Abendessen, der seit vielen Jahren nicht mehr kommt. Und wenn die anderen sagen: „Du weißt doch …“ weiß man eben nicht. [Verse 3] Man will nach Hause, während man im eigenen Wohnzimmer sitzt. Sucht die Jacke, sucht die Haustür, weil die Mutter sicher wartet. Das Haus aus Kindertagen steht plötzlich näher als das hier. Fünfzig Jahre verschwinden, und gestern sitzt wieder neben dir. Die Uhr zeigt heute. Der Kopf zeigt damals. Und beides fühlt sich richtig an. [Chorus] Vergessen. Wo der Schlüssel gestern lag. Vergessen. Was vor einer Stunde war. Vergessen. Manche Türen schließen leise, während andere plötzlich offen stehen. Vergessen. Vielleicht Namen, vielleicht Jahre. Vergessen. Doch Vertrautheit braucht kein Wort. Und manchmal wird ein Mensch ganz ruhig, nur weil der richtige Mensch bei ihm sitzt. [Verse 4] Man schaut ein altes Foto an: Hochzeit, Sommer, weißes Kleid. „Wer ist denn diese junge Frau?“ Und niemand weiß, ob eine Antwort gerade hilft. Man erkennt das eigene Kind nicht, aber lächelt über seine Stimme. Kann seinen Namen nicht mehr sagen und greift trotzdem nach seiner Hand. Vielleicht erinnert sich etwas, für das es keine Worte braucht. [Verse 5] Und die anderen lernen langsam, nicht alles richtigstellen zu müssen. Nicht zu sagen: „Das hast du schon zehnmal gefragt.“ Nicht jedes falsche Jahr zurück ins Heute zu zwingen. Wenn die Mutter heute noch lebt, dann darf sie diesen Moment noch leben. Wenn jemand sagt: „Ich muss nach Hause“, kann man fragen: „Was vermisst du dort?“ Denn manchmal sucht man keinen Ort. Man sucht Geborgenheit. [Bridge] Und irgendwann verschwinden vielleicht der eigene Geburtstag, die Adresse, der Beruf, vierzig Jahre Ehe. Ein ganzes Leben verliert seine Beschriftung. Doch dann läuft irgendwo ein altes Lied – und plötzlich wird mitgesungen. Ein Duft kommt aus der Küche – und für Sekunden ist etwas wieder da. Eine Hand berührt eine andere – und die Unruhe wird still. Vielleicht geht nicht alles denselben Weg wie die Erinnerung. [Final Chorus] Vergessen. Vielleicht irgendwann fast alles. Vergessen. Was ein ganzes Leben war. Vergessen. Namen lösen sich von Menschen, Jahre fallen aus der Zeit. Doch eine Stimme kann noch tragen, eine Berührung Sicherheit. Vergessen. Und trotzdem kann etwas bleiben, wenn man längst nicht mehr erklären kann, warum. Vielleicht weiß man nicht mehr, wer diese Hand gerade hält. Aber man spürt noch: Bei dir habe ich keine Angst. [Outro] Das Telefon im Kühlschrank. Die Brille auf der Nase. Ein Name, der nicht kommen will. Und eine Hand, die trotzdem die richtige findet. Vielleicht ist Erinnerung mehr als sich erinnern können.

