
Ich baue Zeit aus Messing, Schraube für Schraube, im Schein von einer Kerze, die selbst schon Asche glaubt. Die Hände riechen nach Öl und Zinnstaub, ich schneide Zähne ins Rad, das über mich hinausbaut. Ankerhemmung, Unruh, Feder unter Spannung, ich halte fest, was fällt, mit bloßer Fingerhaltung. Zwölf Werkstücke warten, jedes trägt ein Datum, ich schenke reichen Herren Zeit — nur nicht mir selber davon. Uhrwerkherz, tick tick, ich zähl meine Sekunden, jedes Rad in meiner Brust ist längst schon abgebunden. Uhrwerkherz, tick tick, ich hab die Zeit gebunden — doch meine eigne Feder läuft mir unter den Fingern wund. Ein Fürst bestellt ein Werk, das niemals stehen bleiben darf, ich schleife dreißig Nächte, bis der Rücken sich verkrampft. Die Späne fallen wie Konfetti einer Feier, die nie war, ich feile mein Gesicht ins Zifferblatt — kalt, exakt, gestarrt. Man nennt mich Meister, keiner kennt den Preis der Präzision, für jede Stunde, die ich richte, stiehlt sie mir davon. Der Perpendikel schwingt, ich schwing im gleichen Takt mit, zwei Pendel, ein Verfall — nur meines tickt nicht synchron mit. Tick — Rad greift Rad — tick — Zahn greift Zahn, tick — ich greif nach mir — tick — doch keiner hält mich an. Feder spannt sich, spannt sich, bis der Draht fast bricht, ich baute tausend Uhren — meine eigne kann ich nicht. Uhrwerkherz, tick tick, ich zähl meine Sekunden, jedes Rad in meiner Brust ist längst schon abgebunden. Uhrwerkherz, tick tick, ich hab die Zeit gebunden — doch meine eigne Feder läuft mir unter den Fingern wund. Die Werkstatt wird still, die letzte Kerze brennt herab, ich leg das Werkzeug weg und öffne mein eigenes Zifferblatt. Kein Zahnrad drin, kein Messing, nur ein Puls, der leiser wird, zum ersten Mal in dreißig Jahren spür ich, wie Zeit wirklich klingt. Kein Meister kann sie aufziehen, kein Handwerk hält sie an, ich leg die letzte Schraube weg — und werd zum stillen Mann.

