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Gemeinderat

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V4.5

[**Strophe 1**] Ich bin seit zwanzig Jahren im Gemeinderat, weiß, wie man abstimmt, ganz ohne großen Plan. Hab jedes Baugebiet mit durchgewunken – zack, den Bäumen hab ich freundlich auf den Stamm geklopft – und dann hats „Rums“ gemacht. [**Strophe 2**] Sie reden jetzt von Zukunft, von Klima und Verkehr, von Städten ohne Autos – das verstört mich sehr. Ich fahr doch selbst zum Bäcker, sind ja bloß drei Kilometer, Doch zu Fuß? Bin ich ein Penner? Ich hab doch meinen Meter Benzin! [**Refrain**] Ich versteh die Welt nicht mehr, doch ich stimm trotzdem dagegen. Zu viel Wandel macht mich nervös, und ich will mein Leben pflegen. Ich hab doch nichts gegen Kinder, Diversität und Solar – Aber bitte nicht in meinem Viertel, denn da war’s doch immer klar. [**Strophe 3**] Die jungen Leute kleben, die Alten reden leis, Ich red am liebsten lauter, weil ich Chef im Ausschuss heiß. Wenn jemand was verändern will, sag ich: „Wo soll das enden?“ Denn für so’n Kram – da kann ich doch nicht guten Gewissens meine Stimme verschwenden! [**Strophe 4**] Ich seh die Flüsse trocknen, die Sommer brennen heiß, doch mein SUV hat Klima – und das reicht mir doch, beweis’ mir bitte erst, dass Wandel *wirklich* was bringt, und bis dahin wird gestimmt, wie man's halt immer macht im Ring. [**Refrain**] Ich versteh die Welt nicht mehr, doch ich stimm trotzdem dagegen. Ihr sagt: „Opa, wähl für morgen!“ – Doch ich mag heut nicht bewegen. Ich hab gebaut, ich hab geschafft – jetzt will ich nicht mehr hören: „Du trägst Verantwortung, weil du könntest etwas steuern.“ [**Bridge (sarkastisch gesprochen):**] [spoken] Ja, Verantwortung – hab ich. Ich sitz immerhin in drei Ausschüssen, grins auf Fotos, schneid Bänder durch, verhinder Radwege, und stimm gegen Wärmepumpen. Warum? Weil’s mir keiner so erklärt, dass ich’s gut find. Oder weil ich’s einfach nicht will. [**Letzter Refrain**] Ich versteh die Welt nicht mehr, doch ich stimm weiter dagegen. Denn wer was ändern will, der muss erstmal an mir vorbeitreten. Ich bin das Bollwerk der Vernunft – in meinem ganz privaten Sinn – Und wenn die Zukunft untergeht: Ich war wenigstens nicht drin.