
Künstlerkarriere - 05.10.2001
Künstlerkarriere Alles ist in einem Lauf, in den Schulen wird nach Lehrplan unterrichtet, in den Firmen wird millimetergenau am wirtschaftlichen Erfolg gefeilt. So ist es eben und eine beschäftigte Hausfrau kann sich aus dem vorgegebenen Lauf auch nicht herausheben. Übrall gibt es einen Plan, eine Vorgabe diktiert den Tagesablauf. Alles ist in einem Lauf, es ist auch gar nicht immer schlecht, dass es eng zugeht und Schulen kein Spielplatz sind. Ein Ausbruch aus Plan, Vorgabe und zeitlichem Kosett, das ist wohl einer der bewegendsten Momente warum ein Mensch Künstler ist, wird und sein möchte? Im Lauf der Läufe sieht der im Lauf befindliche so schwer die Kunst die im Lauf liegt. Ohne den festem Rahmen, vom Geschäftsmann bis zur Hausfrau, vom Schüler bis zum Rentner, der eh keine Zeit hat, ohne diese festen Säulen der Gesellschaft wäre ein Ausbruch uninteressant. Ein Künstler durchbricht den festgefügten Lauf, ein Künstler wagt es punktuell daneben zu stehen. In der Berührung mit dem festen Rahmen liegt gerade die Provokation, aber eben nicht nur im kritisierenden Sinne, der Ausgebrochene kann auch wunderbar ergänzen und gar im Notfall von außen Stützen in die Gesellschaft einbringen. Kinder müssen Schulen besuchen, man muss ihnen das gesellschaftliche Gefüge beibringen. Erwachsene müssen arbeiten. Große Menschen haben die Verantwortung, für Kinder Sorge zu tragen. Hinter allem steht in irgendeiner Form immer eine Art Plan. Dann kommen die Künstler. Ach ja, streng genommen, trotz Durchbruch, wenn denn durchbrochen wurde, gelten immer noch die selben Regeln, sie sind halt nur bunt angemalen. Wunderbar umschrieben, liebevoll bis grausam besungen, überzogen, karrikiert, selbst im ärgsten Verriss steckt noch der Wink „bitte nur nicht aufgeben.“ Wer zahlt sonst dem Künstler seine Gage? Alles hat seinen Plan und ohne Plan der normalen Leut wäre schnell ausgekünstelt die große Künstlerkarriere.

