
Heulen bringt mich auch nicht weiter Ich kenn die Nächte ohne Ende, wenn der Kopf noch Runden dreht, wenn man hundert Dinge festhält, obwohl längst nichts sicher steht. Ich kenn das Ziehen in den Schultern, dieses „Bitte, nicht schon wieder“, doch bevor ich liegen bleibe, steh ich lieber einmal mehr auf. Ich hab zu oft neu angefangen, um vor irgendwas zu knien, hab aus Scherben noch was gebaut, während andere weiterziehen. Hab geglaubt und hab gezweifelt, hab vertraut und mich geirrt, doch ich bin verdammt noch mal noch da, auch wenn manches Spuren hinterlässt. Heulen bringt mich auch nicht weiter, also hoch mit diesem Kopf. Noch ein Tag und noch ein Morgen, noch ein verdammtes „Trotzdem doch“. Wenn das Leben meint, es reicht jetzt, hab ich dazu auch ein Wort: Ich war schon öfter fast am Ende und bin trotzdem noch nicht fort. Ich hab Türen zugeschlagen, andere hielt ich viel zu lang. Hab für Dinge geradegestanden, die ich selbst kaum ändern kann. Hab versucht, die Welt zu ordnen, wenn sie völlig schief vor mir lag, und aus „Das schaff ich niemals“ wurde irgendwie der nächste Tag. Es gab Stimmen, es gab Blicke, es gab Sätze, die noch bleiben, Menschen, die Geschichten kennen, ohne je dabei gewesen zu sein. Und ich lernte ziemlich langsam: Nicht auf alles muss ich hören. Denn wer meinen Weg nicht gegangen ist, darf mir auch nicht sagen, wohin. Heulen bringt mich auch nicht weiter, also hoch mit diesem Kopf. Ich hab viel zu viel getragen, um zu glauben, dass mich das jetzt stoppt. Nein, ich muss nicht immer lächeln, muss nicht tun, als wär nichts schwer. Aber solange ich noch aufsteh, kriegt mich keiner einfach leer. Ich hab Fehler, ich hab Zweifel, manche Frage sitzt noch tief. Hab Entscheidungen getroffen, bei denen niemand vorher weiß, wie’s lief. Vielleicht würd ich manches ändern, wenn ich heute wählen könnt. Doch man lebt nun mal nach vorne, auch wenn man rückwärts vieles kennt. Und ja, manchmal brech ich ein, manchmal reicht ein kleiner Satz. Manchmal kommt die ganze Scheiße auf einmal wieder aus ihrem Platz. Dann darf es eben kurz wehtun, dann darf auch mal gar nichts gehen. Doch ich werde nicht mein Leben lang vor meinen eigenen Trümmern stehen. Heulen bringt mich auch nicht weiter, aber Aufgeben noch viel weniger. Also Zähne zusammen, weiter, nicht perfekt – nur immer wieder. Ich will keinen Orden dafür, keinen Beifall, kein „Wie stark“. Ich will morgens wieder wissen, dass der kommende Tag mir gehört. Und vielleicht kommt irgendwann Ruhe, vielleicht dauert es noch ein Stück. Doch ich lauf nicht mehr im Kreis, ich hol mir mein Leben Stück für Stück. Nicht das alte, nicht dasselbe, nicht so, wie es einmal war. Etwas Eigenes, etwas Echtes, und verdammt noch mal wieder klar. Heulen bringt mich auch nicht weiter, also hoch mit diesem Kopf. Was mich gestern fast zerlegt hat, bestimmt nicht, was morgen kommt. Ich hab nicht alles überstanden, um jetzt kurz vorm Licht zu drehen. Und wenn ich heute nur eins weiß: Ich werde weitergehen.

