
Es war in einer Nacht ohne Stunden, an einem Ort, den keiner kennt. Wo sich die Zeit im Kreis bewegt und keine Kerze mehr verbrennt. Da saß ein Mann vor leeren Seiten, die Feder ruhte in der Hand. Er suchte Worte für das Ewige, das er im Leben niemals fand. Ein leiser Ton durchschnitt die Stille, ein Flügel spielte wie von selbst. Ein zweiter Mann trat aus dem Schatten, als hätte ihn die Nacht bestellt. „Ich kenne dich“, sprach da der Dichter, „du hast der Stille Klang verliehn.“ Der andere lächelte und sagte: „Und deine Worte hör ich sing’n.“ Goethe trifft Mozart, irgendwo zwischen Raum und Zeit. Der eine sucht nach tausend Worten, der andere hört die Ewigkeit. Was bleibt von uns, wenn wir verschwinden? Ein Satz, ein Ton, ein Augenblick? Vielleicht ist alles, was wir waren, in einem fremden Herz zurück. Sie gingen durch die alten Gassen, die längst zu Staub geworden sind. Sie hörten Stimmen aus den Häusern, das Lachen eines kleinen Kinds. „Sag, Wolfgang, glaubst du an die Seele?“ „Ich weiß nur, dass sie manchmal singt. Und dass ein Klang, den keiner festhält, noch hundert Jahre später klingt.“ „Doch Worte können Welten ändern, sie tragen Zweifel, Mut und Schmerz.“ „Und manchmal braucht es keine Worte, ein einziger Ton erreicht das Herz.“ Sie schwiegen unter fremden Sternen, der Mond stand über einer Stadt. Und keiner konnte wirklich sagen, wer von beiden recht gehabt. Goethe trifft Mozart, irgendwo zwischen Raum und Zeit. Der eine sucht nach tausend Worten, der andere hört die Ewigkeit. Was bleibt von uns, wenn wir verschwinden? Ein Satz, ein Ton, ein Augenblick? Vielleicht ist alles, was wir waren, in einem fremden Herz zurück. „Ich schrieb vom Teufel und vom Streben, vom Menschen, der sich selbst nicht kennt. Von all den Fragen, die uns treiben, bis uns das letzte Licht verbrennt.“ „Ich schrieb von Liebe und Vergebung, von Eifersucht und großem Glück. Und selbst in meinen heitren Tönen blieb manchmal etwas Trauriges zurück.“ „Dann haben wir wohl beide versucht, das Unsichtbare zu verstehn. Du hast es zwischen Töne gelegt, ich ließ es durch die Worte gehn.“ Und irgendwo erklang ein Lachen, ganz leise erst, dann wunderbar. Weil selbst die größten aller Geister nicht wussten, was die Antwort war. Goethe trifft Mozart, und die Sterne hören zu. Ein Wort fällt in die Dunkelheit, ein Ton lässt ihm keine Ruh. Und was die Zeit auch mit uns macht, was sie bewahrt und was vergeht: Vielleicht beginnt die Ewigkeit erst dann, wenn jemand uns versteht. Da öffnet sich ein Fenster irgendwo, ein Kind sitzt nachts am Klavier. Es spielt ein Stück aus alten Zeiten, als wär sein Schöpfer noch bei ihr. Daneben liegt ein aufgeschlagenes Buch, ein junger Mensch liest bis zum Licht. Er findet in den alten Zeilen die Antwort auf die Frage nicht. Doch beide fühlen für Sekunden, dass etwas sie im Innersten berührt. Als hätte jemand aus der Ferne sie ganz behutsam heimgeführt. Goethe trifft Mozart, jenseits aller Wirklichkeit. Zwei Leben längst zu Ende, doch ihre Stimmen ziehn noch weit. Und wenn die letzte Seite fällt, der letzte Ton im Raum verklingt, bleibt vielleicht etwas von uns allen, solang ein fremdes Herz noch singt. Die Feder liegt auf weißen Seiten, der Flügel schweigt im Morgenlicht. Und Goethe fragt: „War das die Antwort?“ Mozart lächelt. „Vielleicht nicht.“l

