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Mary: Main Intro

[OPENING – bright musical theatre, brisk piano. Pharmacy bell.] [MARY – pharmacist, quick, cheerful] Die Tropfen nach dem Essen, die weißen morgens zwei, die Salbe dünn am Abend — ja, Mrs. Flynn, dabei! Nein, nicht mit heißem Whiskey. Nein, wirklich, bitte nicht. Und wenn Ihr Knie noch wehtut: Dann geh’n Sie zu — dem Mann gleich gegenüber. [beat] Ja. Dem mit dem freundlichen Gesicht. [pharmacy bell] Die Creme steht auf der Rechnung, das Pflaster gibt’s dazu, und nein, Mr. Murphy — Husten braucht nicht immer gleich ein Antibiotikum. [She notices the audience.] Oh. Sie kenne ich nicht. [smiles] Sie sind neu hier. [A fiddle answers.] Das merkt man in Kilmoor Bay gewöhnlich ziemlich schnell. [SHIFT – narrator Mary. Joyful Irish 6/8.] Dann sollten wir wohl anfangen. [VERSE] Willkommen dort, wo morgens schon der Wind die Neuigkeiten kennt, wo jede Tür beim Namen weiß, wer davorsteht oder jemand rennt. Wo jeder weiß, wer gestern spät noch Licht im oberen Fenster hatte, wer wem im Papp drei Guinness gab und wer behauptet: „Nur ’ne Platte!“ Hier braucht man keinen Stadtplan, hier fragt man einfach wen: „Wo wohnt denn Murphy?“ „Ach, der? Den kann ich von hier aus seh’n.“ [CHORUS] Denn hier kennt jeder jeden, jeden Weg und jedes Licht, jede Macke, jede Liebe — und manches besser nicht. Hier wird gestritten, hier gelacht, hier wird verziehen über Nacht. Und wenn du glaubst, du wärst allein: Dann kennst du Kilmoor Bay noch nicht. [fiddle flourish] Da drüben steht die Kirche, da hinten liegt der Papp der Hafen riecht nach Salz und Tang. Und hier: meine Apotheke. Nicht groß. Aber alles drin, was man zum Leben braucht. [She glances across the street.] [Mary, softer] Und gegenüber — — arbeitet Felix. Dr. Bailey - für alle anderen! [NARRATOR – Irish pulse returns] Felix Bailey ist unser Arzt. Unser einziger, um genau zu sein. Wenn nachts um drei ein Baby schreit, fällt Felix selten etwas Besseres ein als aufzustehen und hinzugeh’n. Wenn Patrick sich beim Holz verletzt, wenn Nora plötzlich Fieber hat, wenn Sean seit vierzehn Tagen hustet und trotzdem jeden Abend sagt: „Das geht schon weg.“ Dann geht es meistens tatsächlich weg. [beat] Nachdem Felix bei ihm war. [CHORUS – bigger] Denn hier kennt jeder jeden, jeden Weg und jedes Licht, jede Macke, jede Liebe — und manches besser nicht. Und wenn hier irgendetwas brennt, ist Felix meistens der, der rennt. Obwohl er manchmal selbst vergisst, dass da auch sein eig'nes Leben ist. [brief pause] Denn Felix hatte einen Plan. Nein. Einen klaren. Vernünftigen. Wunderbar durchdachten Plan. [spoken] Das sind übrigens meistens die gefährlichsten. [Music widens.] An seiner Wand hängt eine Karte, voll kleiner Punkte, rot und blau. Rom, Madrid und Alexandria, Kapstadt, Tokio, Macau. Er kennt die Züge durch die Anden, weiß, wann in Kyoto Kirschen blüh’n, kennt kleine Straßen in Neapel, obwohl er sie noch nie geseh’n. Und weiß, wie Island nachts sein grünes Feuer zeigt. [Mary smiles.] Er hat die Welt schon hundertmal bereist. [beat] Mit dem Finger. [WORLD-TRAVEL REFRAIN] Und eines Tages — sagt er — steigt er einfach ein. Kein Telefon. Kein Wartezimmer. Keine Tür mit „Doktor Bailey“ dran. Nur eine Straße, irgendwo, von der er heute noch nichts weiß. Ein Koffer. Ein Ticket. Und Zeit. Endlich Zeit. Für seine Reise. [Mary, simple] Ich hab ihm oft gesagt: „Dann fahr doch.“ Felix sagt: „Mach ich.“ „Wann?“ „Bald.“ [beat] Felix’ „bald“ ist eine bemerkenswert dehnbare Maßeinheit. [NARRATOR – momentum returns] Doch diesmal — diesmal ist es anders! Der Vertrag ist unterschrieben, der Nachfolger steht fest. Die Praxis ist ab Montag endlich nicht mehr Felix’ Nest. Die Schlüssel sind schon übergeben, der Koffer steht im Flur. Im Flur! Morgen früh nach Dublin, von dort hinaus in diese Welt. Kein Notdienst. Keine Hausbesuche. Kein Mensch, der ihn hier länger hält. [small hesitation] Na ja. Fast kein Mensch. [FINAL CHORUS] Denn hier kennt jeder jeden, jeden Weg und jedes Licht, jede Macke, jede Liebe — und manches besser nicht. Doch morgen wird hier etwas neu, denn endlich macht sich einer frei! Der Mann, der immer für uns blieb, tut morgen, was er wirklich liebt! Von Kilmoor Bay hinaus aufs Meer, von Dublin in die Welt hinein! Nach all den Jahren, all dem Warten: Morgen wird sein Morgen sein! [Music rises.] Morgen fährt Felix Bailey! Morgen nimmt er seinen Koffer! Morgen lässt er Kilmoor Bay für eine kleine Weile hinter sich! Morgen — [Music cuts.] [Mary looks at the audience.] Nun … jedenfalls war das der Plan. [BLACKOUT] [One distant telephone ring.] [END]