
Ich musste raus... Den Kopf freikriegen... Allein… – Niemand hat mir gesagt, wie das riecht. 'ne zerbissene Lippe und Salz im Gesicht von dem, was in mei'm Leben vor mein' Augen zerbricht. Ich geh rotzig, mit Faust und wild zerzaustem Zopf, roh wie ein Tier in Gefahr, voller Trotz. Acht Kilo am Rücken und Schultern, die brennen – zwei Furchen im Fleisch, in die Schweißtropfen rinnen. Ich lauf... – lass meine Beine jetzt meinen Kopf führ'n – Find raus, wie das geht, sich nicht selbst zu verliern. Allein schärft den Blick für das, was mich umgibt – für alles, was lebt neben dem, was man liebt. Ich geh, wie man geht, wenn es keiner mehr sieht: mal gebrochen, mal tanzend – im eigenen Lied. Allein riecht besser, als es klingt. Wie Harz und wie Regen auf grauem Gestein – Ich hör erst jetzt, wie laut Stille singt. Und ich passe zum ersten Mal in mich rein. Mal macht es mich wach, und ich fühle mich klar – ich bin jetzt allein. Und ich bin für mich da. Ein Ast knackt – mein Atem versagt, ich bleib stehn, Metall auf der Zunge, Nackenhaare, die plötzlich sehen. Die Angst sagt nicht „Ein Tier!" Sie fragt: „Jemand hier?" Und fügt leiser hinzu "der mir wieder wehtun wird?" Ich fahr rum, will kämpfen, die Fäuste bereit – Find' aber nur Spuren von Licht auf Nadelkleid. Und statt dass ich atme, wird's seltsam still – Und – erstaunlich – ich frag' mich, was ich eigentlich will. Es kostet: keiner sieht dich lachen. Es verspricht: keiner sieht dich weinen. Es kostet: keiner ruft deinen Namen. Es verspricht: du gehst auf eig'nen Beinen. Es kostet: geteilte Aussicht und Freude zu zweit. Es verspricht: dein Hunger, dein Weg, deine Freiheit. Es kostet: ein Ohr, das nicht mehr zuhört. Es verspricht: eine Stimme, die zu dir gehört. Allein riecht besser, als es klingt. Oft macht es mich wach, und ich fühle mich klar – ich bin jetzt allein. Und bin wieder da. Und ja – ich kann gut auf mich zählen, mich selber halten, wenn Zweifel mich quälen. Doch Alleinsein zeigt mir ehrlich und schlicht, wie sehr ich mir wünsche: "…verlass du mich nicht." Ich verwechsel allein mit: nicht mehr beschützt, mit: Keiner hält Ausschau. Niemand da der mich stützt. Und wünsch' mir wen, der mich sieht und der bleibt – nicht einen, der sich selbst von meiner Seite vertreibt. Da steht er, so alt, dass er Zeiten wie meine schon sah – Hab den Berg nich komm'n sehn. Er is' nich' wegen mir da. Mir wird schlecht bei „Da-Rüber" – spür' alles, was ich trug. Es geht langsam... – Schritt für Schritt ist genug. Und genau das löst was, was schwer an mir hing: Ich bin nicht was folgt. – Ich bin, was lenkt. Allein riecht besser, als es klingt. Wie Harz und wie Regen auf grauem Gestein – Ich hör erst jetzt, wie laut Stille singt. Und ich passe zum ersten Mal in mich rein. Heut macht es mich wach, und ich fühle mich klar – ich bin jetzt allein. Und bin endlich da. Der Abend legt Gold auf Farn und auf Bäume, Und ich hör' mir zu und beginne zu träumen. Ich will wieder lieben – unschuldig und neu, ich fang' bei mir an. Und bleibe mir treu. Kein Foto, kein Zeuge, kein „Weißt du noch?" – Und ich hoffe und glaube, das reicht mir doch. Acht Kilo am Rücken im Rest des Lichts – und das Schwerste... wiegt nichts. ***** 🚨 ACHTUNG SPOILER! – HINTERGRÜNDE ZUM SONG: Sie hält gerade inne. Hinter ihr der dunkle Wald, vor ihr das Licht. Sie hat sich getrennt. Nach sehr langer Zeit. Sie hat dabei jemanden verletzt, um zu sich zu stehen — jemanden, von dem sie glaubte, sie würde ihn immer lieben. Wenn sie sich hier irrt, was ist dann sicher? Dieser jemand möchte ihr nicht mehr zuhören. Also kann sie es ihm nicht erklären. Das ist etwas von dem, das sie trägt. Jetzt ist sie zum ersten Mal seit langem wirklich allein unterwegs, weil sie es so wollte. Und im Wald, beim Alleinsein lernt sie sich und die Welt neu kennen. Anders. Ängste kommen hoch, die alt sind. Vor dem, was man nicht sehen, nicht kontrollieren kann. Und interessanterweise nicht die Angst, dass niemand da ist. Die Angst, dass doch jemand da ist. Und dahinter die eigentliche: dass sie zu fehlerhaft und schwach ist, zu bestehen oder angenommen zu werden. Das ist etwas anderes, das sie trägt. Und dann, mitten in all dem ist sie auf Empfangsmodus. Wenn niemand mehr da ist, für den sie sich nützlich macht und mitdenkt und plant und sorgt, kommt etwas zurück, das sie verlernt hatte. Sie riecht plötzlich Dinge. Sie hört, wie laut Stille ist. Sie fühlt sich wieder. Sie steht an ihrer eigenen Seite. Beides ist gleichzeitig wahr: Sie kann sich auf sich verlassen. Und sie sehnt sich danach, dass jemand sie sieht und liebt. Auch das trägt sie. Der Song bricht in der Mitte. Vorne ist er roh und lauter. Hinten wird er leiser. Im abgebildeten Moment sieht sie den Berg, der vor ihr liegt (auch den metaphorischen), erstmalig bewusst. Und er ist gleichzeitig furchteinflößend und dennoch ist das Dahinterliegende auch verheißungsvoll. Am Ende geht sie los. Musikalisch ist der Track in seiner Entstehung als ein Punk-Song gestartet. Nuancen von jazziger Burlesque hinterließen ihre Spuren beim Vorbeigehen, weil sie das Spiel zwischen Kontrolle und Hingabe sowie die Unvorhersehbarkeit der Emotionen unterstreichen und Jungle ist als Übergang vom Jazzigen zu D'n B eingeflossen, weil er das Dynamische und Kraftvolle, aber auch Getriebene und Rastlose der Erfahrungen in den Track bringt. Der langgezogene Vokal, ihr Ruf der Heldin, in ihrem Gesang markiert den Übergang vom Lauten und Augenscheinlichen zum Leiseren und Verborgenen. Manche Verses sind bewusst so gehalten, dass die Silbenanzahl zu lang ist, fast unpassend, instabil, für den treibenden D'n B Beat. Beispielsweise bei “der mir wieder wehtun wird” oder in der Berg-Strophe. Und die Überforderung löst sich erst auf in der Transformation von Folgen und Lenken. Und ihr Lachen am Ende ist ihr Coping im Prozess.

