
Von Jagen und Verstehen (3rd Version)
[Intro – sehr leise, elektronischer Puls, Atem hörbar] Ich wollte glücklich sein. Hab Träume gezählt wie Münzen im Glas, sie blankgeputzt, bis keiner mehr sprach. Erreicht, verbraucht, erneut verlangt — und nie begriffen, dass das Glühen nur vom Jagen stammt. ⸻ [Vers 1 – ruhig, fast geflüstert; warme Pads, kein Beat] Ich hielt Zufriedenheit für Land, mit einem Tor aus Gold und Sand. Doch jedes Mal, wenn ich es fand, stand ich dort fremd — verirrt im Glanz, verwechselt Ruhm mit Spiegelglanz, sah nie des Suchens Rattenschwanz. ⸻ [Refrain – sanft, wie eine Erkenntnis nach innen gesprochen] Und wenn der Wind durchs Werden weht, versteht man, dass kein Ziel besteht. Es zählt nicht Glanz, nicht Macht, nicht Preis — nur dass du lebst, und dass du weißt. ⸻ [Vers 2 – nachdenklich; Beat tiny, metallisches Glocken-Motiv] Sie klettern Leitern aus Besitz, mit jedem Schritt ein kleiner Riss. „Nur dieses noch, dann wird es leicht“ — so flüstert Hoffnung, die nie reicht. Doch oben steht kein Paradies, nur neues Wollen, das nie schließt. Und wer dort ruht, erkennt zu spät: Der Gipfel war’s, der weitergeht. ⸻ [Vers 3 – Stimme fester; Sub-Bass hauchdünn, Puls bleibt langsam] Vielleicht ist Glück nur Chemie im Blut, ein stiller Fluch, der nie genug. Vielleicht sind wir nur kluge Tiere, verliebt in eigne Wunschreviere. Zufriedenheit — ein Algorithmus aus „Fast geschafft“ und „Noch ein Muss“. ⸻ [Vers 4 – nachdenklich-philosophisch; Beat zart, metallisches Motiv bleibt] Und wenn man sie nehmen könnte — die Kapsel der Ruh, den Chip im Nu, die Spritze voll Sinn, den Frieden darin — Oder läge dann das Träumen still — wie Schnee auf einem ausgebrannten Grill? ⸻ [Refrain – nun resigniert, aber warm; wie eine letzte Erkenntnis] Und wenn der Wind durchs Werden weht, versteht man, dass kein Ziel besteht. Es zählt nicht Glanz, nicht Macht, nicht Preis — nur dass du lebst, und dass du weißt. ⸻ [Bridge – trocken, Beat weg; nur Stimme + dünnes Piano] Vielleicht ist Streben selbst Gebet, gesprochen, wenn der Sinn verweht. Ein Altar aus Haben, Müssen, Sein, vergoldet, leer, doch wunderschön gemein. Wir opfern Zeit dem alten Trieb, doch schütten wir Wasser durch’n Sieb. ⸻ [Outro – sehr leise; Pads ausblenden, nur Atem + eine Pianonote] Ich atme ein, ich wachse sacht, nicht durch Besitz, nur durch Bedacht. Kein neues Ziel, kein lauter Sieg — nur Einsicht, die im Innern liegt. Denn Streben bleibt, doch anders jetzt: Nach Tiefe, nicht nach Glanz gesetzt. Und wer sich selbst im Werden sieht, versteht: Das Glück verlässt uns nie.


