Strophe 1 Etwas in mir entzieht sich dem Verstehen, obgleich ich jede Regung deutlich spüre. Es lässt Vertrautheit durch mein Denken gehen, als ob mein Ich sich selber nicht berühre. Was mich erfüllt, kann ich nur selten fassen, es bleibt dem eignen Zugriff seltsam fern. Bewusstsein kann sich niemals ganz umfassen, es kennt die Schale, doch verfehlt den Kern. [Pre-Refrain] Daraus erwächst ein lautloses Entgleiten, das keine fremde Zuwendung bezwingt. Denn selbst in innigsten Gemeinsamkeiten bleibt etwas, das zu keinem andern dringt. Refrain Einsamkeit, du ungeteiltes Sehnen, du führst mich tiefer, als Erinnerung reicht. Einsamkeit, in deinen stillen Strömen wird jedes Bild von mir zugleich erweicht. Einsamkeit, du lässt mich nicht genesen, doch machst du sichtbar, was sich sonst verschließt. Einsamkeit, im Ursprung meines Wesens liegt jener Teil, den niemand ganz erschließt. Strophe 2 Ein Gegenüber kann mein Fühlen lesen und sieht doch nur die fassbare Gestalt. Verständigung berührt das tiefste Wesen, doch manches bleibt in seinem Ursprung kalt. Wir schenken Worte, Blicke und Vertrauen, bis Zuneigung den Abstand fast verhüllt. Doch niemand kann das Innere durchschauen, das selbst den eignen Anspruch nicht erfüllt. [Pre-Refrain] So wächst aus Bindung keine ganze Einheit, nur eine Nähe, die Begrenzung kennt. Gerade ihre kostbarste Vertrautheit enthüllt, was zwei Bewusstseine noch trennt. Refrain Einsamkeit, du ungeteiltes Sehnen, du führst mich tiefer, als Erinnerung reicht. Einsamkeit, in deinen stillen Strömen wird jedes Bild von mir zugleich erweicht. Einsamkeit, du lässt mich nicht genesen, doch machst du sichtbar, was sich sonst verschließt. Einsamkeit, im Ursprung meines Wesens liegt jener Teil, den niemand ganz erschließt. Strophe 3 Ich suchte lange Rettung im Erkennen, als könnte Klarheit jedes Fremdsein lösen. Doch kein Begreifen kann das Innre nennen, noch schützt das Gute sich vor allem Bösen. Nun lerne ich, die Trennung zu ertragen, nicht als Verzicht, auch nicht als stillen Sieg. Sie bleibt die Tiefe hinter allen Fragen, aus der mein Dasein seine Spannung zieht. [Zwischenspiel] Der Mensch verlangt, vollkommen anzukommen in einem andern, der sein Ganzes sieht. Doch bliebe uns die Trennung ganz genommen, verstummte auch, was zueinanderzieht. Denn wären wir einander ganz gegeben, verlöre Sehnsucht ihren höchsten Klang. Das Unerreichbare erhält das Streben und nährt zugleich den lebenslangen Drang. Refrain Einsamkeit, du ungeteiltes Sehnen, du führst mich tiefer, als Erinnerung reicht. Einsamkeit, in deinen stillen Strömen wird jedes Bild von mir zugleich erweicht. Einsamkeit, du lässt mich nicht genesen, doch machst du sichtbar, was sich sonst verschließt. Einsamkeit, im Ursprung meines Wesens liegt jener Teil, den niemand ganz erschließt. [Schluss] So bleibt der Mensch sich selber nah und fremd, zugleich erkannt und niemals ganz erreicht. Was ihn von jedem andern Wesen trennt, ist auch, was ihn dem andern zugeneigt. Einsamkeit, Einsamkeit.