
♩♪♫♬ ¸¸.•*¨*•♫♪¸¸.•*¨*•♫♪♩♪♫♬ ¸¸.•*¨*•♫♪¸¸.•*¨*•♫♪ Theodor Storm (1817–1888) gehört zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts. In seinen Novellen und Gedichten erzählte er häufig von Erinnerungen, Heimat, Liebe und den leisen Schicksalen gewöhnlicher Menschen. **„Pole Poppenspäler“** erschien 1874 und erzählt die Geschichte von Paul Paulsen, der sich an eine besondere Begegnung aus seiner Kindheit erinnert. Als eine reisende Puppenspielerfamilie in seine Heimatstadt kommt, lernt er deren Tochter Lisei kennen. Zwischen den beiden Kindern entsteht eine Freundschaft, die Paul auch nach dem Abschied nicht vergisst. Jahre später führt das Leben ihre Wege wieder zusammen. Aus der Freundschaft von damals wird Liebe – doch Liseis Herkunft aus einer fahrenden Puppenspielerfamilie stößt nicht überall auf Anerkennung. Was für andere Anlass zu Spott und Vorurteilen ist, bedeutet für Paul längst etwas ganz anderes. Storm erzählt damit nicht nur eine warmherzige Liebesgeschichte, sondern auch von gesellschaftlichen Grenzen, vom Wert eines Menschen jenseits von Herkunft und Ansehen und von einer Kindheitserinnerung, die ein ganzes Leben überdauert. Der spöttisch gemeinte Name **„Pole Poppenspäler“** wird dabei schließlich zu etwas, zu dem Paul selbstbewusst stehen kann – weil hinter ihm die Geschichte eines Menschen steckt, den er liebt. ♩♪♫♬ ¸¸.•*¨*•♫♪¸¸.•*¨*•♫♪♩♪♫♬ ¸¸.•*¨*•♫♪¸¸.•*¨*•♫♪ [Intro] Ein Vorhang, ein paar Lichter, Figuren aus Holz und Kleid. Ich war ein Junge unter vielen – und wusste noch nicht, dass manche Begegnung ein ganzes Leben bleibt. [Strophe 1] Sie kamen mit Wagen in unsere Stadt, mit Kisten, Kulissen und Puppen darin. Die Leute sah'n ihnen von oben herab, doch mich zog es jeden Abend dorthin. Da tanzten Prinzessinnen, Kasper und Tod, an Fäden durch eine erfundene Welt. Und hinter dem Vorhang stand Lisei bei mir, ein Mädchen, das mir viel besser gefällt. Wir waren noch Kinder, wir wussten nicht viel. Sie zeigte mir heimlich Figuren und Spiel. Und wenn einer lachte: „Da kommt Poppenspäler!“ tat ich, als wär's nichts. Doch ich hörte es später noch lange in mir. [Refrain] Pole Poppenspäler, so riefen sie mir hinterher. Als wär es etwas Schlechtes, wenn man Puppenspieler gernhat. Doch hinter jedem Vorhang steht ein Mensch, den keiner sieht. Und manchmal bleibt von einem Abend mehr als nur ein altes Lied. Lisei, ich seh dich heute noch zwischen all den Puppen steh'n. Manche Menschen kommen einmal – und werden niemals ganz geh'n. [Strophe 2] Dann zogen die Wagen am Morgen davon, die Straße war plötzlich gewöhnlich und leer. Kein Kasper, kein König, kein Vorhang ging auf, und Lisei sah ich lange nicht mehr. Die Jahre vergingen. Ich wurde ein Mann. Das Leben nahm Wege, die keiner planen kann. Bis eines Tages ein Mädchen vor mir stand, nicht mehr das Kind aus der Puppenspielzeit. Doch ich kannte die Augen, ich kannte den Blick – und für einen Moment war die Kindheit nicht weit. [Pre-Refrain] Die anderen sahen die Herkunft, den fahrenden Wagen, den Stand. Ich sah das Mädchen von damals und nahm wieder ihre Hand. [Refrain] Pole Poppenspäler, so mögen sie mich ruhig nenn'n. Denn wer nur auf Namen und Herkunft schaut, wird einen Menschen niemals kenn'n. Hinter jedem Vorhang steht ein Mensch mit seinem Leben. Und was die anderen gering achten, kann dir das Größte geben. Lisei, ich seh dich heute noch zwischen all den Puppen steh'n. Manche Menschen kommen wieder, wenn schon Jahre weitergeh'n. [Bridge] Vielleicht sind wir alle ein wenig wie die Figuren dort. Wir stolpern auf unsere Bühne, wir suchen unseren Ort. Doch kein Faden sagt uns, wen wir lieben dürfen. Kein Stand, kein Name, kein Gerede vor den Türen. Und wenn sie fragen, warum gerade sie – dann denke ich an den Vorhang, an zwei Kinder dahinter und daran, wie alles begann. [Refrain] Pole Poppenspäler – heut trag ich den Namen gern. Denn was sie damals Spott genannt haben, ist mir längst nicht mehr fern. Es riecht nach Holz und alten Farben, eine kleine Bühne wird hell. Und neben all den stummen Puppen lacht ein Mädchen, jung und schnell. Lisei, aus einem Kinderspiel wurde irgendwann ein Wir. Und von allem, was die Jahre nahmen, blieb diese Erinnerung bei mir. [Outro] Ein Vorhang fällt. Die Puppen schweigen. Die Menschen gehen heim. Doch manche Geschichte ist nicht zu Ende, nur weil das Licht erlischt. Pole Poppenspäler. Ja. So nennt mich nur. [End]

