Sie war siebzehn, jung und frei, glaubte an Liebe, treu im Herzen, war Sie dabei. Verliebt im Glanz vom ersten Schein, die Welt so groß, sie fühlte: Mein. Sie sah in ihm den hellen Schein, doch Dunkel zog in ihr Sein. Bergkristall, kalt und klar, was einst so rein, wird ungreifbar. Er nahm ihr Licht, doch nicht ihr Sein , sie blieb zurück, zerbrochen, allein. Er sprach von Treue, sprach von Pflicht, sein Blick war Zorn, kein sanftes Licht. Sie glaubte, sie sei schuld daran, so klein, so stumm, so untertan. Sie trug die Schuld, die nie ihr war, und schwieg dazu, Jahr um Jahr. Bergkristall, kalt und klar, was einst so rein, wird ungreifbar. Er nahm ihr Licht, doch nicht ihr Sein, sie blieb zurück, zerbrochen, rein. Ich habe überlebt. Ich bin nicht, was du mir angetan hast. Ich bin das, was daraus geworden ist. Die Jahre zieh’n, sie steht noch da, mit offenen Narben, sichtbar, wahr. Sie trägt ihr Rückgrat, frei von Zwang, und ihre Stille trägt sie lang. Sie lässt ihn nicht in ihr besteh’n, hat neu gelernt, allein zu geh’n. Bergkristall, vom Bruch befreit, aus Asche Glanz, aus Schmerz Geleit. Ihr Licht kehrt heim, durch Sturm und Stein, sie ist, sie selbst, sie bleibt, sie wächst ins Sein. Sie hat überlebt. Sie wurde Neun und Sechzig geboren.