
Es war ein stiller Abend. Das Gaslicht brannte. Der Tee war eingeschenkt. Ich trat in den Salon ... ... und da saßen Sie. Mitten auf dem Kanapee, als wär’s Ihr angestammter Platz, acht Beine ordentlich verteilt, und keiner fragte mich danach. Kein Klopfen an der Türe, kein „Guten Abend“, kein Pardon. Sie kommen ohne Einladung und übernehmen meinen Salon. Ich bitte Sie – Sie zahlen keinen Heller Mietzins. Sie stehen nicht im Hausvertrag. Und trotzdem schauen Sie mich an, als hätten Sie hier das Sagen. Viel zu viele Beine, viel zu viele Augen, viel zu viel von allem für ein einziges Tier. Viel zu viele Beine, viel zu viele Augen – und jedes davon ist gerade hier. Dicke Spinne auf dem Kanapee, nun hören Sie mir freundlich zu: Dies ist mein Haus, dies ist mein Tee, dies ist mein verdammtes Kanapee! Also gehen Sie. Bitte. Jetzt. Adieu! Sie rührt sich. Nein. Sie RÜHRT sich. Vier Beine links, vier Beine rechts, und alle acht sind acht zu viel. Ich habe zwei und stolpere regelmäßig. Sie haben acht, kein einziges kommt dem andern in die Quere – und trotzdem rasen Sie durch meinen schönen Salon, als hätten Sie einen Zug zu erwischen. Nicht zum Tisch! Nicht zum Schrank! Nicht hinter den Vorhang! Bleiben Sie stehen. Warum können Sie nicht einfach stehen bleiben? Vier Beine links, vier Beine rechts, ich hab gezählt – es bleiben acht. Doch wenn Sie rennen, schwöre ich Ihnen, werden daraus achtzig bei Nacht. Dicke Spinne auf dem Kanapee, wir hatten doch eine Abmachung: Sie gehen zur Tür, ich bleibe hier, und niemand verliert seine Würde dabei. Sie aber rennen. Auf mich zu. Das war unhöflich. Ich habe Sie gewarnt. Sie hätten gehen können. Sie hatten jede Gelegenheit. Nun ... waren Sie mal. Der Salon ist still. Der Tee ist kalt. Das Gaslicht flackert an der Wand. Ich atme aus. Sehr schön. Vorbei. ... War das Ihre Familie? Unter dem Kanapee? Hinter dem Schrank? Im Vorhang vielleicht? Im Ärmel meines Gehrocks? Nein. Nein, nein, nein. Das Haus hat plötzlich erstaunlich viele Ecken. Dicke Spinne auf dem Kanapee, eine von Ihnen war genug! Viel zu viele Beine, viel zu viele Augen, viel zu viele Winkel, und viel zu wenig Mut. Mein Haus, mein Tee, mein schönes Kanapee – behalten Sie’s! Ich werde morgen beim Makler vorsprechen. Eine kleinere Wohnung genügt. Ohne Kanapee.

