Song Cover Image

Ob am Stamm-Stammplatz oder am Stammplatz - 18.10.2004

Ob am Stamm-Stammplatz oder am Stammplatz Es braucht andauernd die Möglichkeit zum ausweichen. Wer unausweichlich andauernd anwesend ist, der ist am Ende so alltäglich, dass die Anwesenheit nicht mehr dazu beiträgt, Besonderheiten geltend zu machen. Ja es kann ohne ausweichend zu werden zu einem Defizit in der eigentlichen Intuition kommen. Einfach gesagt, als Dichter braucht es immer noch das Versteck und sei es noch so öffentlich um nahezu inkognito sich der Gedanken zu widmen, zu denen in der Stamm-Stammplatzumgebung mit der Zeit der Raum fehlt. Nichts gegen den Stamm-Stammplatz, aber in zwanzig Jahren reifte die Erfahrung, Stamm-Stammplatz braucht immer wieder den ausweichenden Platz. Ein Ort da man so unbekannt sein kann wie man ist. Selbst an dem Ort hört man die Stimme „Wie immer?“ Ja Silvia, wie immer. Der Ausweichgedanke ist wichtig um die Lust am Stamm-Stammplatz zu erhalten, es braucht immer wieder die Begegnung zwischen allen Stammgästen die Neugierde wecken, das beruht auf Gegenseitigkeit wenn die Chemie stimmt. Kunst braucht immer wieder seine verbrauchende Reflektion, jawohl verbrauchend im Sinne von vortragen und regelrechter Inszenierung. Die Kunst, vom Wort in die Sprache zu transportieren. Jene die einen am Stamm-Stammplatz, dem Stammtisch, kennen, sagen nur noch, „Ah ha, ah ja, passt scho,“ des is doch keine erfrischende Inspiration, geschweige denn ein Austausch. Wenn der Kopf voll ist von Ideen die es mit gesenktem Kopf auf Papier zu bringen drängt, dann kann und ist der Stamm-Stammplatz eine Oase. Alle um einen herum quasseln und darunter ist man gut aufgehoben, ungestört sozusagen. Kommt dann so ein Satz, „Wos moanst du dazu?,“ dann kann man parallel zur Kunst antworten. „Ih moan…,“ schon hat sich nicht selten ein neues Thema gefunden. Sie grinsen dann und trägt man ihnen das nächste Mal das Thema vor, sagen`s, „Mia song`s ah immer…“ Es ist alles überall so unausweichlich und da gibt es kein Entkommen. Wo du auch hingehst, des dauert doch nie lange, sagt meine Sie, meine Minni, du legst es doch drauf an. Wo kennst du niemanden, wo sitzt du dich dreimal hintereinander hin und lernst niemanden kennen? Den Ort gibt`s ned und die Inspiration ist eine Ausrede, am Stamm-Stammplatz fällt dir gnuag ein. Sie wird`s scho wissen. Sie verstehn und dann sagt`s noch, wenn wir mal auf eine einsame Insel fahren sollten, Papier und Stift müssten daheim bleiben. Sie hätte nicht Angst, dass ich Liebesbriefe schreiben würde. Ach sowas, sag ich, täte ich nie im Stamm-Stammplatzcafe schreiben. Welche Gedanken doch kommen, wenn man darüber nachdenkt, einen Raum zur Entfaltung von weitläufigen Gedanken zum Beispiel für einem Roman zu finden. Eine Insel, auf eine Insel mit Minni, ab durch die Mitte, da hätte man unausweichlich Zeit und bestimmt gleich einen Stammplatz. Von wegen, sagt Minni. Das Fazit lautet, man ist immer der gleiche, ob am Stamm-Stammplatz oder sonstwo, überall wiederholen sich die Abläufe, schnell ergibt sich die Gewohnheit. Die Kunst ist es, an jedem Punkt die Unausweichlichkeit richtig anzubringen und Minni ist die Unausweichlichste die jede Facette von mir bis ins Detail kennt. Nur daheim wird so gut wie nichts geschrieben. Ist das Daheim etwa die Insel der Kunst? Nein, schimpfen die Kinder, an der Zahl drei, nur Mädels noch dazu, da macht der Papa viel Lärm, lochen, binden, sortieren, der Papa ist ständig an seiner Kunst. Ach, ach und dieser Unausweichlichkeit gedenke ich gerade am Stammplatz, nicht am Stamm-Stammplatz. Wer kennt sich da noch aus? Das erwarte ich von keinem Cafehausgast, nicht einmal von den Stammgästen die mich kennen.