
Noch liegt ein Gedanke lautlos hinter Lippen, ohne Richtung, ohne Reichweite, bei sich. Solang er dort bleibt, kann er niemanden erreichen. Dann wird aus Denken Sprache. Gesagt. Plötzlich trägt die Stille einen Nachhall, ein Laut trifft auf Raum und der Raum gibt ihn zurück, kaum wahrnehmbar, doch während er nachklingt, nimmt ein zweiter Klang die Schwingung mit, schickt sie weiter. Er zieht weiter, wird breiter im Raum, während der erste verhallt, trifft auf Fremdes, das ihn anders erwidert, bis der Widerhall nicht mehr nur mir gehört. Zwei Stimmen, zwei Richtungen, die sich im Zwischenraum begegnen, mein Klang auf dem Weg zu dir, deine Kreise mir entgegengehen, schneiden sich, verschieben sich, verdichten ihre Schwingungen, bis keiner weiß, wem diese Wirkungen entsprungen sind. Was eben mein Gedanke war, bewegt sich längst durch deinen, mit jedem neuen Kreis verschwimmt die Grenze zwischen beiden. Was ich losschickte, kommt wieder, nicht mehr so, wie es ging, trägt deine Richtung schon in sich und Was ich sende, bleibt nicht bei mir, zieht durch dich und klingt von dort zu mir. Ein Wort wird weit, sobald es dich erreicht, weil deine Stimme seine Richtung neu beschreibt. Was ich sende, kommt nicht gleich zurück, nimmt etwas von dir auf, bevor es weiterzieht. Und was als leiser Impuls den Raum durchdrang, wird zwischen uns zu mehr als nur zu Klang. Der Klang zieht weiter, keiner weiß, wie weit er schon reicht, jeder, den er erreicht, beschreibt ihn im Innern neu. Im Deuten gerät Bedeutung in Bewegung, aufgenommen, gebrochen, verschoben, gesprochen. Aus Brechen wird Brechung, aus Impulsen vielstimmiger Takt, Takt trifft auf Takt, Stimmen in Stimmen schwingen nach. Was ankam, geht weiter, was weitergeht, kommt wieder an, bis keiner den Ursprung ausmachen kann. Jeder Empfang trägt den Anfang des nächsten Signals, wir senden, indem wir empfangen, werden zum Echo des Halls. Der Hall hält länger, als sein Sender ihn halten kann, zieht durch Köpfe, bis keiner ihn auseinanderhalten kann. Was ich meinte, trifft auf das, was du meinst und deutest, verändert schon beides, während du Bedeutung erzeugst. Ein Laut löst sich los vom Sprecher und löst im Hörer schon Laute. Was einer empfängt, verändert sich, während er’s auffängt, im Empfangen liegt schon etwas, das wieder anfängt: Wer etwas empfängt, fängt im Moment an zu senden Was ich sende, bleibt nicht bei mir, zieht durch dich und klingt von dort zu mir. Ein Wort wird weit, sobald es dich erreicht, weil deine Stimme seine Richtung neu beschreibt. Was ich sende, kommt nicht gleich zurück, nimmt etwas von dir auf, bevor es weiterzieht. Und was als leiser Impuls den Raum durchdrang, wird zwischen uns zu mehr als nur zu Klang. Was weiterging, kommt wieder, doch weiter, als ich gedacht, trägt Stimmen in Stimmen, Schichten von Schwingungen durch die Nacht, bringt mit jedem Widerhall wieder Hall in die Räume zurück, die ihn hielten, verteilten, vervielfachten und anders entließen. Aus Deuten wird Bedeutung, Bedeutung gerät in Bewegung, Gedanken lenken Gedanken und ändern dabei ihre Richtung, wir lenken, werden gelenkt, geben weiter, nehmen entgegen. Was mich erreicht, hat mich vielleicht als Sender verlassen, durchlief zwischen Empfangen und Senden viele Fassungen, wir fassen, was andere meinten, erfassen darin ihre Zeichen, während wir meinen zu fassen, beginnen Fassungen abzuweichen. Zeichen werden Laute, Laute bedeuten, Bedeutungen wandern, wandeln sich in Gedanken, Gedanken verwandeln die andern, die andern verwandeln Gedanken, Gedanken gelangen zurück, durch Stimmen, Stimmungen verschoben in andere Lagen. Ringe in Ringen, doch keiner liegt sauber im andern, sie schneiden sich, schichten sich, Mittelpunkte wandern, aus Schwingungen Wirkungen, Rückwirkungen, wirkende Schichten, die sich überlagern, verlagern, in anderen Lagen verdichten. Verdichten, bis Dichte Verbindung beschreibt, bis jeder Klang im nächsten als Nachklang verbleibt, bis von all diesen Stimmen nur etwas im Hintergrund bleibt, irgendwo tief im vielstimmig schwingenden Raum derselbe erste Impuls. Kaum. Was ich sende, bleibt nicht bei mir, zieht durch dich und klingt von dort zu mir. Ein Wort wird weit, sobald es dich erreicht, weil deine Stimme seine Richtung neu beschreibt. Was ich sende, kommt nicht gleich zurück, nimmt etwas von dir auf, bevor es weiterzieht. Und was als leiser Impuls den Raum durchdrang, wird zwischen uns zu mehr als nur zu Klang. Irgendwann wird jeder Kreis so weit, dass seine Krümmung kaum noch sichtbar bleibt. Der Abstand wächst. Der Nachhall wird leiser. Doch leise heißt nicht fort. Was ausgesendet wurde, trägt weiter, was es unterwegs geworden ist, außer Reichweite dessen, der es gesagt hat. Vielleicht nicht gesucht. Vielleicht nicht erwartet. Und trotzdem trifft es auf etwas, das nicht nur hört. Sondern zuhört.

