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Symphonie der Pest

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Die ersten Geigen stimmen ein – ein hohes, fiebriges Kreischen Bogen aus Knochen streichen über Darm aus getrockneten Sehnen der Dirigent hebt den Taktstock aus einer gebrochenen Rippe und die Symphonie der Pest beginnt Symphonie der Pest – sie spielt sich selbst jeder Ton ein neuer Eiterherd, jeder Akkord ein Aufplatzen die Trommeln sind Herzen, die langsam schwarz werden und schlagen noch, während sie schon verfaulen Symphonie der Pest – sie kennt kein Crescendo, nur Verfall die Bläser atmen durch aufgerissene Kehlen das Publikum hustet im Takt, Blut auf den Lippen und applaudiert mit Händen, die sich bereits ablösen [Instrumental] Zweiter Satz – ein langsamer Walzer aus Röcheln und Gurgeln die Bratschen weinen schwarze Tränen, die auf den Boden tropfen wo sie landen, sprießen kleine, blinde Pilze die wachsen und tanzen im Dreivierteltakt Die Pauken schlagen tiefer, dumpfer, nasser jeder Schlag lässt neue Beulen unter der Haut der Zuhörer wachsen ein Kind in der ersten Reihe lächelt mit schwarzen Zähnen und dirigiert leise mit, weil es die Melodie schon kennt Kein Pausenzeichen, kein Atemholen die Musik frisst sich weiter, tiefer, inniger die Noten kriechen in die Ohren, nisten im Hirn und singen dort weiter, wenn der Körper längst still ist [Instrumental] Dritter Satz – ein Totentanz aus splitternden Knochen die Geigen spielen mit zerbrochenen Fingern das Cello singt mit der Stimme einer ertrinkenden Frau und das ganze Orchester lacht – weil Lachen der schönste Ton ist Das Finale kommt ohne Ankündigung die letzten Töne ziehen sich in die Länge wie zäher Eiter das Orchester zerfällt, Instrumente fallen klappernd zu Boden nur der Dirigent bleibt stehen – und verbeugt sich tief [Instrumental] Symphonie der Pest – sie spielt sich selbst jeder Ton ein neuer Eiterherd, jeder Akkord ein Aufplatzen die Trommeln sind Herzen, die langsam schwarz werden und schlagen noch, während sie schon verfaulen Symphonie der Pest – sie endet nie, sie verwest nur weiter die letzte Note hängt noch in der Luft, nass und schwer wenn du sie hörst, bist du schon Teil des Orchesters willkommen im Konzert – du wirst nie wieder schweigen