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Hinter Oberschleißheim her (Mei Oma) - 19.01.2005

Hinter Oberschleißheim her Mei Oma Hinter Oberschleißheim, in westlicher Richtung, do kimmt boid Dachau, s`Dachauer Moos liegt zum Teil dazwischen. Wia scho gsogt, mei Oma war eine Dachauerin, eine aus der Dachauer Hintergegend, wos zu Dachau ghört hod. In der Zeit wo Oma geboren wurde, war Dachau nur durch seine Maler und Schriftsteller bekannt. Arm warn`s, hod mei Oma gsogt. Sie hätt so guad glernt als Kind, d`Klosterschwestern die die Kinder unterrichtet ham, de ham zu Oma`s Eltern gsogt, schickan`s die Centa weiter auf d´Schul. D`Eltern warn arm, da Vater in der Wirtschaftskrise arbeitslos. Woher nehma? Ganz im Gegenteil, das Kind, mei Oma, musste ihren Eltern Hilfe leisten. Kein hohe Bildung, als Folge des ersten Weltkrieges blieb die Not. Mei Oma hod mir die Gschichten erzählt, die den Gschichten meines Schulrektors von der Schule in Oberschleißheim gleichkamen. Eine Maß Bier für eine Zahl die heute ein Vermögen darstellen würde. Oma hod die Gschichten mit viel Respekt vor ihren Eltern erzählt. „Mei Vater hod gsogt, wenn da Mensch den Menschen a Heil gibt, kimmt s´Unheil.“ Da Vater war hoid nur a Arbeitsloser, aber Recht hod er ghabt. Oma erzählte immer und immer wieder die gleichen Gschichten. Dann kam die Nazizeit, in der Zeit hod mei Oma ihren Preißn kenna glernt, in der Schlosswirtschaft, wo Oma auch die Soldaten im Offiziersrang bediente. Viele Gschichten hob ih von Oma in mir, aber auch die wo`s nach Dachau gradelt is, ein paar Kilometer grod, kerzengrod von Oberschleißheim aus, rechts daneben dieses unsägliche Konzentrations Lager. Ein Nachbar, hod d`Oma gsogt, der als Lokführer öfter do hinfahrn hod müssen, der hod an dene Tage nichts essen kenna, aber er hod ah ned drüber gredt, wos er do gsehn hod. D´Oma hod`s scho gwusst wia alle, wenn`s as no wissen ham wollen, es war klar, wos do abgeht is ned normal. Is d`Oma vorbeigradelt, dann hod`s genau die Last verspürt, die auf der Gegend lag. Nicht unsichtbar, weil so viel bewaffnete Präsenz hod mei Oma, wia`s gsogt hod, oft befremdet. Dachau is heut immer no in der Nachbarschaft von Oberschleißheim. No is guad gsogt, weil wenn Dachau nicht eine Künstlerstadt mit langer Vergangenheit gewesen wäre, Oma hod gsogt, die Amis die sie als Befreier empfunden hod, hätten Dachau am liebsten von der Landkarte weggfegt. Dachau verdankt seinen Künstlern viel, ja das Überleben. Mei Oma is nach`m Krieg Witwe mit zwoa kloane Kinder gwesen, eine mühsame Oberschleißheimer Existenz, die es doch auf ihre Weise weiter gschafft hod. Wenn`s wollen hätt, hätt´s sogar nach Amerika mit de Amis gehn kenna, de ham`s a paar Moi mitnehma meng. Ih woaß warum, des war des Wesen von meiner Oma, sie war ein gscheiter Kopf, spitzbübig, schlagfertig, nicht verlegen, den Ernst erkennend. Gott sei Dank is in Oberschleißheim blieben. Wie hätt ih sonst den für mich prägendsten Menschen bis ih erwachsen wurd kennen glernt?