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Sumervar (Ulrich von Lichtenstein)

Sommerfarben, bunte Strahlengarben, Heide, Feld, Wiesen und Wald. Da und dort, nun schau, weiß, rot, blau, gelb, braun, grün, die schöne Gestalt. Warm, herrlich, freundlich, zärtlich – ganz alles, was die Erde trägt. Selig der Mann, der es spüren kann, der dient und Mühe erträgt, vor lauter Liebe bebt. Wem Gott gibt, dass er liebt, die Liebe, den umfasst sie ganz! Ohne Leid geschenkt wird ihm das ganze Jahr der Glanz des Mai, und frei liebt er verspielt den Tanz. Ein frohes Leben kann sie leicht geben, die Minne, wem sie will, viel, so wie sie will! Wem ein Weib den Leib zärtlich umfasst und er sagt nicht: "Seltene Perle, glänzendes Licht!", der hat sein Glück verpasst! Ihm ist geschehen, muss er gestehen, dass die Trauer Fieber erfasst, und er ohne Kummer getauft vom Kerzenschimmer von sanften weißen Armen umschlungen wird. Ein feuriger Hort, ist ein Wort, das beim Küssen geschieht, mitten im Spiel, voller Gefühl, spielt der Liebste, sieht, ob da nicht ihr Augenlicht glänzt und strahlt und dann, ja fürwahr, ganz und gar, lieb und wohlgetan, stürmt die Lust heran. Die Minne walte und entfalte sich, wenn um einen Mann ein Weib um ihren Leib vier Arme gehen, dann ganz dicht und heiß da brennt ein Licht!, das sie befeuern kann. Ob da nichts glüht und scharf aufblüht der kleine feuerrote Mund, wird von der Minne gefunden und findet Trost und kann gesunden.