
Intro (Ein melancholisches Zupfmuster auf einer verstimmten akustischen Gitarre setzt ein. Rauschen wie von altem Schellack, dumpfe Schläge auf Holz, kalter Wind.) I. (1918–1919) Der Schlamm von Flandern klebt an leeren Händen, Kein Kaiser mehr, kein Thron, der Schutz gewährt. Auf nassen Pflastersteinen, an zerschoss'nen Wänden, Wird eine Totgeburt als Freiheit neu erklärt. Im Januar fällt Blut in kalten Schnee, Karl und Rosa treiben stumm im Kanal. Aus Ruinen steigt ein krankes Weh, Ein Vaterland im Fieber, blind und kahl. II. (1923–1928) (Das Picking wird schneller, disharmonische Moll-Akkorde brechen hervor) Milliarden Scheine brennen fahl im Ofenbrand, Der Hunger frisst das Mark der kleinen Seelen. Ein Tanz am Abgrund, trunken außer Rand und Band, Um die Verzweiflung im Cabaret zu verhehlen. Grelle Lichter über Gräbern, Seide über Moder, Sie wiegten sich im Rausch der kurzen Ruh'. Doch tief im Keller glimmt die alte Lohe, Aus Dolchstoß-Mythen und verletztem Stolz herzu. III. (1929–1932) (Gedämpfter, schwerer Rhythmus; die Saiten schrammen schleifend und rau) Der Herbstwind weht von fernen Börsenhallen, Das Kartenhaus zerbricht im kalten Regen. Millionen Seelen, die ins Nichts verfallen, Auf leeren Straßen, ohne Trost und Segen. Brüning regiert mit Federstrich und Notverordnung, Das Parlament verstummt im Geifer und im Schrei. Auf jedem Platz marschiert die neue Ordnung, Aus braunem Tuch und rotem Hass vorbei. Schlagstöcke splittern Knochen in der Nacht, Die Republik verblutet schweigend Schritt für Schritt. Der alte Feldmarschall hat blind gewacht, Und gab dem Abgrund seinen letzten Tritt. IV. (Januar – März 1933) (Das Zupfen wird hektisch, dissonant, fast wie ein Trauermarsch) Fackelschein am Brandenburger Tor, Ein Meer aus Feuer, Stiefeln, kaltem Eisen. Der Rauch der Glaskuppel steigt stumm empor, Wo Schatten nun das Recht zerreißen. Ermächtigung zum Mord, besiegelt mit Papier, Die Freiheit stirbt nicht mit Geschrei, sie weicht im Stillen. Das Licht erlosch im Maul vom wilden Tier, Geknechtet unterm fremden Willen. V. (Outro) (Die Gitarre wird ganz leise, fast tonlos, einzelne Saiten verklingen langsam) Dachau öffnet seine Pforten weit, Verbannt sind Geist und Buch und freies Wort. Es zieht herauf die dunkelste Gezeitenzeit — Das Vaterland ward selbst zum Richtstättenort. Asche auf Asphalt. Kalter Wind im Geäst. Die Republik verweht. Die Nacht beginnt.

