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Das Versteck

[Strophe 1] Die Sonne versinkt blutrot hinterm Horizont, heute starb mancher brave Mann durch ihre Hand. Der Wind verweht ihre Spuren im Sand. Sie treiben die Pferde in die Wüste hinein, über rissigen Boden, durch Dornen und Gestein. [Strophe 2] Sie reiten durch die Dunkelheit, da steigen Felsen in der Nacht empor, wie eine schwarze Wand stechen sie hervor. Dort liegt ihr Versteck, ein Grab im Stein, vorbei an bleichen Schädeln reiten sie, in das dunkle Grab hinein. [Strophe 3] Sie zügeln die Pferde, steigen ab, das Mondlicht fällt auf sie herab. El Viudo entfacht ein Feuer im Sand, die Flammen erhellen Zeichen an der Felsenwand. Alte Symbole der Apachen, die keiner mehr versteht, eine stumme Warnung, die dort im Feuerschein steht. Sie sitzen am Feuer, verbissen und stumm, die Wüste schweigt um sie herum. [Strophe 4] Reverend Bone lehnt den Rücken an den Sattel, Er fasst nach hinten in die Tasche, seine Hand greift nach der Whiskyflasche. Er teilt sie mit der Runde, jeder nimmt ’nen Schluck. Die Tasche mit der Beute steht am Rand, was keiner ahnt: Sie bedeutet noch heute das Ende der Meute. [Strophe 5] Erst ist es nur Wind, der durch die Nische weht, doch dann ist da eine Stimme, die nicht mehr vergeht. Ein Knistern im Dunkeln, ein Atmen im Ohr, es dringt aus dem Leder der Tasche hervor. Sie starren zur Tasche, dann tief in die Augen, als könnten sie selbst ihren Ohren kaum glauben. Das Misstrauen wächst mit jedem Herzschlag heran, bis das Flüstern Besitz von den sechs ergreift. [Strophe 6] Erst raunt es Hermann zu, man halte ihn für dumm, er müsse sie zerschlagen, sonst brächten sie ihn um. Es warnt den Spieler Jack, dass hier jeder jeden betrügt, dass im Ärmel der andern ein falsches Ass liegt. Reverend Bone predigt es, die Beute sei sein Lohn, ihr Blut sei das Opfer vor Gottes Thron. [Strophe 7] El Viudo hört ein Schmeicheln, ihm gebühre das Geld, nur er sei von allen ein wahrer Mann von Welt. Dem Geier redet es ein, er sei in Gefahr, wer zuerst schießt, rettet Haut und Haar. [Strophe 8] Der Totengräber sieht, wie das Gift sie durchdringt, wie die Gier jeden Einzelnen zur Raserei zwingt. Doch er greift nicht ein, er lauscht dem Flüstern im Ohr, es dringt aus dem Fels und der Tasche hervor. Es raunt ihm von der Beute, die ganz ihm gehört, sobald das Grab den Rest der Meute verzehrt. [Refrain] Das Flüstern kriecht tief in sie hinein, es verdreht ihren Sinn im Feuerschein. Es frisst die Vernunft, es vergiftet das Blut, entfacht in ihnen die blinde Wut. Die Stimmen im Grab lassen sie nicht los und legen ihre finsteren Absichten bloß. [Strophe 9] Der Wahnsinn bricht los, doch noch schweigt das Gewehr, Hermann fällt brüllend über den Spieler her. Seine Pranken schließen sich um dessen Hals, er drückt ihn zu Boden mit roher Gewalt. Auch Bone und El Viudo verbeißen sich wild, der Geier schlägt zu, vor Hass völlig blind. Sie schlagen und würgen sich im staubigen Dreck, der Totengräber rührt sich nicht vom Fleck. Er sieht auf sie nieder mit hämischem Blick, genießt ihren Kampf, als wär’s sein Meisterstück. [Strophe 10] Ein dämonisches Lachen bricht aus ihm, so grell und so tief, als ob jede Menschlichkeit ihn verließ. Das Flüstern hat ihn fest im Griff, er sieht sich in New York spazieren, in Samt und in Seide will er dort die Unterwelt regieren. Hämisch lässt er den Blick über ihre Körper streifen, als würd’ er im Geiste nach der Totengräberschaufel greifen. Das Knäuel im Dreck hält inne, sie richten sich blutend im Sande auf, wischen das Rot aus dem Gesicht und blicken zum Schatten hinauf. Doch der sieht sie nicht vor den glühenden Symbolen in der Wand, hält er sie längst für bleiche Knochen im staubigen Sand. [Strophe 11] Er wendet sich ab, greift im Rausch nach dem Gold, will nur noch den Reichtum, ein Leben in Seide und Samt. Sie fragen ihn wütend, was das soll, doch er blickt nicht zurück. Die Flammen des Feuers scheinen hell, das Ende im Grab kommt unerbittlich und schnell. Seine Hand packt die Tasche so gierig und fest, während hinter ihm fünf Abzüge knacken. Fünf Läufe erhellen diesen dunklen Ort und beenden sein Lachen mit tödlichem Blei. Er taumelt und stürzt von der Nische hinab, so findet er im Sande sein eigenes Grab. [Refrain] Sie greifen die Tasche, die Gier macht sie blind, und jagen davon wie der Wüstenwind. Sie lassen den Toten im Grab allein, und reiten als Schatten in die Wüste hinein. Die Stimmen im Grab lassen sie nicht los, und legen ihre finsteren Absichten bloß! und legen ihre finsteren Absichten bloß!