
Strophe 1 Ich hielt die Wut für eine fremde Hand, die meine sorgsam stillen Türen brach, bis ich in ihrem Zittern wiederfand, was unter meinem Schweigen zu mir sprach. Strophe 2 Nicht jede Grenze ist aus Stein gemacht, nicht jede Milde schützt, was in uns lebt; zu oft hab ich aus Höflichkeit gelacht, während ein stiller Teil nach Würde strebt. Refrain Du bist die Zeugin, kein Gericht, du darfst in meinem Innern klagen. Ich hör dich an. Ich folge nicht. Was ich nun tue, muss ich tragen. Muss ich tragen. Strophe 3 Sie weiß, wie tief mich fremdes Unrecht traf, doch sieht sie Schuld, wo manchmal Irrtum war; sie weckt den Wächter aus dem langen Schlaf, und plötzlich wird die ganze Welt Gefahr. Strophe 4 Ich gebe dem verletzten Herzen Zeit, bis es den Schmerz von seiner Deutung trennt; aus Wut wird nicht von selbst Gerechtigkeit, doch manchmal Mut, der seine Grenzen kennt. Refrain Du bist die Zeugin, kein Gericht, du darfst in meinem Innern klagen. Ich hör dich an. Ich folge nicht. Was ich nun tue, muss ich tragen. Muss ich tragen. [Zwischenspiel] Wer sie verbannt, schenkt ihr ein heimlich Reich, in dem sie ohne Widerspruch regiert; wer blind gehorcht, wird seiner Wunde gleich und merkt zu spät, wie er sich selbst verliert. [Schlussrefrain] Du bist die Zeugin, kein Gericht, du darfst in meinem Innern klagen. Ich hör dich an. Ich folge nicht. Was ich nun tue, muss ich tragen. Outro Und wenn sie wieder an die Schwelle tritt, dann lass ich sie in meine Stille schauen; sie bringt den Schmerz, doch keine Antwort mit, und ich muss selbst der eignen Hand vertrauen. Hand vertrauen.

