
Es war kein Schrei, der mich weckte. Es war ein Flüstern. Ein kaum hörbarer Atem zwischen den Rissen meiner Gedanken, ein Schatten, der sich nicht vor das Licht stellte, sondern aus mir selbst wuchs. Ich glaubte lange, Albträume seien Besucher der Nacht – vergessene Bilder, verirrte Ängste, Stimmen ohne Körper. Doch dieser hier blieb. Er legte sich nicht auf meine Lider, sondern unter meine Haut. Er sprach mit meiner Stimme, zweifelte mit meinem Zweifel, liebte mit meiner Sehnsucht. Vom Albtraum berührt zu sein heißt nicht, verfolgt zu werden. Es heißt, erkannt zu werden. Denn was uns im Dunkel heimsucht, trägt oft unser eigenes Gesicht. Es kennt die ungesagten Wahrheiten, die wir im Tageslicht verleugnen. Zwei Seelen wandern durch meine Brust – eine sucht das Morgen, die andere gehört der Nacht. Und zwischen ihnen wächst eine stille Dämmerung. Vielleicht ist der Albtraum kein Feind. Vielleicht ist er die zweite Stimme, die uns zwingt, hinzusehen. Vielleicht ist er die Berührung des ungelebten Selbst. Und wenn ich falle, dann nicht ins Nichts – sondern in das Bewusstsein, dass ich niemals nur Licht war. Ich bin der Traum. Ich bin der Albtraum. Und ich erwache in mir selbst.

