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Nicht ganz ins Schloss

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V5.5

Du kommst rein, die Tür knallt hinter dir ins Schloss du kennst den Weg hierher, als wärst du schon mal im Halbschlaf durch diese Wohnung gelaufen Jacke halb offen, Schlüssel noch warm in der Hand du lässt sie nicht mal richtig fallen als wär das hier nur ein kurzer Stopp ich sitz am Küchentisch, der Kaffee ist kalt und tu so, als hätt ich nichts gemerkt Dann dieser Blick kurz nur aber er bleibt hängen wie ein Satz, den man nicht zu Ende spricht wie ein Licht, das noch an ist, obwohl längst keiner mehr wach sein sollte und plötzlich ist der Raum nicht mehr derselbe als hätte jemand die Luft umgestellt Du streifst an mir vorbei dein Duft bleibt an der Tür an der Jacke, an der Kante vom Regal als hätte jemand kurz das Fenster aufgemacht einmal tief reingelassen und wieder zugemacht, bevor ich was sagen kann Jetzt stehst du neben mir deine Hand auf meinem Arm nicht fest nur so, dass ich genau merke, dass du da bist zwei Sekunden vielleicht drei gerade lang genug, dass ich den Rest des Abends nicht mehr sortiert krieg gerade lang genug, dass mir die Zunge schwer wird Du lachst über irgendwas Kleines über nichts, was man später erzählen würde und ich seh, wie mein ganzer Stolz dabei leiser wird wie er sich zusammenfaltet und Platz macht ich bin längst auf dem Rückzug mach noch einen Schritt, obwohl ich keiner sein will und du gehst nicht mit Ich geh durch den Flur, als würde ich gleich gehen zieh die Jacke an, nehm sie wieder ab als könnte Stoff entscheiden, was ich mit dir anfange die Uhr über der Tür macht ihr langsames Ding ein Klick nach dem anderen alles in Zeitlupe, als wüsste die Wohnung auch nicht weiter als würde selbst der Boden kurz überlegen Auf der Tasse steht noch dein Name Kaffee ganz dünn, längst kalt ein Rand aus Schaum, der sich schon gesetzt hat ich wisch den Rand mit dem Daumen ab einmal, zweimal und bleib genau da hängen, wo ich eigentlich nicht bleiben will mit der Hand noch an der Keramik, als wär das was Festes Dann drehst du dich um nur ein kleines Zucken im Gesicht so klein, dass man’s fast übersehen könnte und auf einmal klingt selbst das Schweigen wieder offen nicht leer eher wie eine Tür, die nicht ganz ins Schloss fällt als könnte zwischen all dem Unausgesprochenen noch was anfangen Am Ende sagst du nichts Großes kein Versprechen, kein Plan nur ein Atemzug zu viel in dem engen Moment so nah, dass ich deine Worte schon erwarte, bevor sie kommen und ich geh nicht. Du stehst noch da. Als ob wir beide warten, dass einer von uns anfängt.