
♩♪♫♬ ¸¸.•*¨*•♫♪¸¸.•*¨*•♫♪♩♪♫♬ ¸¸.•*¨*•♫♪¸¸.•*¨*•♫♪ Theodor Fontane (1819–1898) zählt zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts und gilt als einer der wichtigsten Vertreter des poetischen Realismus. Neben seinen großen Romanen schrieb er zahlreiche Gedichte und Balladen – darunter eine Geschichte, die bis heute wohl fast jeder schon einmal gehört hat: „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“. Die 1889 entstandene Ballade erzählt von dem alten Herrn von Ribbeck, der den Kindern des Dorfes jedes Jahr die Birnen aus seinem Garten schenkt. Als er spürt, dass sein Leben zu Ende geht und sein geiziger Sohn diese Tradition nicht fortführen wird, lässt er sich eine Birne mit ins Grab legen. Jahre später wächst daraus ein Birnbaum – und die Kinder können sich wieder nehmen, was ihnen der alte Ribbeck zu Lebzeiten so gern gegeben hatte. Hinter der scheinbar einfachen Geschichte verbirgt sich eine zeitlose Botschaft über Großzügigkeit, Menschlichkeit und das, was von einem Menschen bleibt. Fontane erzählt davon mit Wärme, Humor und einer fast märchenhaften Leichtigkeit. Auch ich durfte diese Ballade in der Schule kennenlernen und lernen. Damals war es eine Geschichte, die man sich einprägte, Zeile für Zeile – doch mit den Jahren hat sie für mich eine andere, viel persönlichere Bedeutung bekommen. Bis heute berührt sie mich, vielleicht sogar mehr als damals. Denn auch ich frage mich manchmal, was von mir bleibt, wenn ich irgendwann nicht mehr da bin. Welche Erinnerungen bleiben in anderen Menschen zurück? Welche kleinen Gesten, welche Worte, welche Momente? Vielleicht muss es gar nichts Großes sein. Vielleicht sind es gerade die kleinen Dinge, die wir anderen mitgeben und von denen wir manchmal selbst gar nicht wissen, wie lange sie weiterwirken. Und vielleicht ist genau das für mich der schönste Gedanke in Fontanes Ballade: Wir können nicht für immer bleiben. Aber etwas von dem Guten, das wir geben, kann weiterwachsen. Wie ein Birnbaum im Havelland. ♩♪♫♬ ¸¸.•*¨*•♫♪¸¸.•*¨*•♫♪♩♪♫♬ ¸¸.•*¨*•♫♪¸¸.•*¨*•♫♪ [Intro – ruhig, erzählerisch] Wenn der Spätsommer über die Felder zieht und das Havelland golden wird, steht hinter der Mauer ein alter Baum, von dem man sich heute noch erzählt. [Strophe 1] Der alte Ribbeck ging durch seinen Garten, die Taschen schwer, die Schritte klein. Und kamen Kinder durch das Dorf gelaufen, griff seine Hand ganz selbstverständlich hinein. Eine Birne für dich, und für dich auch eine. Kein großes Wort, kein Dank dafür. Nur klebrige Finger, ein helles Lachen und Kinderfüße vor seiner Tür. [Pre-Refrain] Manche Menschen hinterlassen Häuser, manche ihren Namen auf einem Stein. Und manche geben etwas weiter, das viel länger bleibt als sie selbst. [Refrain] Und noch immer trägt der Birnbaum seine Früchte übers Jahr. Noch immer kommen Kinder, wie es damals einmal war. Nimm dir eine, nimm dir zwei, du musst niemanden darum bitten. Denn wer im Leben gerne gibt, ist irgendwann vielleicht verschwunden – doch die Güte bleibt zurück. [Strophe 2] Dann wurde es still um den alten Ribbeck. Die Glocke ging über das Havelland. Man trug ihn hinaus an einem grauen Morgen, eine kleine Birne lag in seiner Hand. Der neue Herr hielt Türen lieber geschlossen, zählte genau, was ihm gehört. Kein Kind bekam mehr etwas aus dem Garten, kein Lachen wurde dort gehört. [Pre-Refrain] Doch unter Erde, Holz und Jahren lag etwas, das keiner sah. Ein Kern braucht keine großen Worte. Nur Zeit. Und irgendwann war er da. [Refrain] Und wieder trug der Birnbaum seine Früchte übers Jahr. Wieder kamen Kinder, wie es früher einmal war. Nimm dir eine, nimm dir zwei, hier wird niemand dich vertreiben. Denn was einer aus dem Herzen gibt, kann selbst unter dunkler Erde noch am Leben bleiben. [Bridge] Der Alte wusste längst, dass er nicht immer bleiben kann. Er wusste auch, dass man dafür sorgen muss, dass etwas Gutes weitergeht. Ein Kern in dunkler Erde. Ein Ast im ersten Licht. Ein Kind, das nach der Birne greift. Mehr brauchte es wohl nicht. [Refrain] Und noch immer steht der Birnbaum irgendwo im Havelland. Seine Äste über Mauern, seine Wurzeln tief im Land. Nimm dir eine, nimm dir zwei, lass ein Stück für andre bleiben. Denn am Ende zählt vielleicht nicht, was wir hatten, als wir gingen – sondern was von uns noch wächst, wenn wir längst nicht mehr hier sind. [Outro] Der Wind geht durch die Zweige. Eine Birne fällt ins Gras. Und irgendwo läuft ein Kind nach Hause mit einer Birne in der Hand.

