
Monument des Schreckens
Der Boden ist längst kein Grund mehr, nur noch zermalmter Brei aus Ruß, Ziegelmehl und gefrorenem Fleisch. Links – Zwo – Drei – Vier. Links – Zwo – Drei – Vier. Hörst du das dumpfe Trommeln der Stiefel im Schlamm? Es ist kein Vormarsch des Ruhmes, es ist der Gleichschritt direkt in den Schlund der Hölle. Stahlrohre spucken ununterbrochen Blei und Feuer in den aschgrauen Himmel über der Wolga. Wir zogen aus als unbesiegbare Armee des Hochmuts, geblendet von eisernen Kreuzen und falschen Eiden, doch hier, zwischen den zerschossenen Skeletten der Traktorenwerke, frisst uns die Realität bei lebendigem Leibe. Halt. Anschlagen. Sterben. Der Frost schneidet tiefer als jedes Bajonett. Minus dreißig Grad, und das Gewehröl gefriert im Verschluss, während das eigene Blut in den Adern erstarrt. Rattenkrieg nennen sie das Schlachten von Zimmer zu Zimmer, von Keller zu Keller. Wir schlitzen Kehlen auf für drei Meter Schutt, schlafen neben den verwesenden Leibern unserer Kameraden und kauen auf gefrorenem Leder. Der Gestank von Brandbomben, Fäulnis und nackter Panik brennt sich auf ewig in die Lunge ein. Kein Gott wandelt durch diese Ruinen – hier herrscht nur der nackte, unerbittliche Wahnsinn des Menschen. Schritt vor Schritt, Kessel schließt sich dicht. Schritt vor Schritt, kein Erbarmen, kein Licht. Nun sind wir eingekesselt. Verraten von Generälen, die fernab im Warmen Karten zeichnen, geopfert für den Größenwahn eines Regimes, das Menschenleben wie Asche verstreut. Die Verwundeten wimmern im Lazarett von Gumrak, verkrüppelt, vergessen, erfrierend auf nacktem Beton. Wir fressen verendete Pferde, wir lecken den Frost von den Wänden, und jeder Schuss der roten Artillerie reißt neue Krater in unsere zerrütteten Seelen. Lasst dieses weiße Grab ein Monument des Schreckens sein. Glaubt keinen Parolen, huldigt keinen Fahnen, folgt keinem Führer in den Abgrund! Hier im Schnee von Stalingrad stirbt nicht nur ein Heer – hier krepiert jede Menschlichkeit. Wenn unsere Knochen im Frühling unter dem Schlamm hervortreten, soll die Welt den Preis des Hasses sehen und auf ewig erzittern.

