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Sechstausendfünfhundert Texte

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V6

[INTRO – Tastatur, Stift auf Papier, leises Bandrauschen] [Female spoken] Sechstausendfünfhundert Texte. Nicht alle schön. Nicht alle ordentlich. Manche nur ein Satz. Manche mitten in der Nacht. Manche geschrieben, weil ich sonst nicht wusste, wohin mit dem, was in mir war. [Pause] Aber jeder einzelne hat etwas aufgehoben, das ich nicht verlieren wollte. [DEEP LOG DRUM] [VERSE 1] Ich schrieb, wenn keiner zuhörte. Ich schrieb, wenn ich selbst kaum verstand, was gerade passiert. Ich schrieb Namen, Daten, Fragen, Gedanken. Schrieb Wut. Schrieb Angst. Schrieb Dinge, die ich später kaum lesen konnte. Nicht weil ich wusste, dass daraus einmal Musik wird. Sondern weil Schreiben manchmal die einzige Möglichkeit war, mir selbst zu sagen: Du warst da. Du hast das erlebt. Du bildest dir dein Leben nicht ein. [PRE-CHORUS] EIN TEXT. NOCH EIN TEXT. NOCH EIN TEXT. UND NOCH EINER. SEITEN. NOTIZEN. ERINNERUNGEN. FRAGMENTE. BIS AUS SCHWEIGEN EIN ARCHIV WURDE. [CHORUS] SECHSTAUSENDFÜNFHUNDERT TEXTE! SECHSTAUSENDFÜNFHUNDERT SPUREN! BAM BAM BAM! ICH HAB GESCHRIEBEN! BAM BAM BAM! ICH HAB BEWAHRT! WAS MIR PASSIERT IST, PASST NICHT IN EINEN SATZ! ES LEBT IN TAUSENDEN ZEILEN, UND HEUTE WERDEN DIESE ZEILEN LAUT. [VERSE 2] Dann kamen Akten dazu. Briefe. Bescheide. Notizen. Und irgendwann auch Geschichten anderer Menschen. Menschen, die sagten: Lies das. Schau hin. Ich erkenne mich darin wieder. Und plötzlich lag vor mir nicht nur meine Vergangenheit. Da lagen Muster. Ähnliche Fragen. Ähnliche Angst. Ähnliche Sätze. [Female spoken] Aber jede Geschichte gehört dem Menschen, der sie erlebt hat. Darum nehme ich nichts, was mir nicht gehört. Keine Namen. Keine fremde Stimme. Nur das, was mir anvertraut wurde und was erzählt werden darf. [DROP] [CHORUS] SECHSTAUSENDFÜNFHUNDERT TEXTE! NICHT SECHSTAUSENDFÜNFHUNDERT BEWEISE. NICHT SECHSTAUSENDFÜNFHUNDERT URTEILE. SECHSTAUSENDFÜNFHUNDERT MOMENTE, IN DENEN ICH VERSUCHT HABE, NICHT ZU VERGESSEN, WER ICH BIN. BAM BAM BAM! ICH HAB GESCHRIEBEN! BAM BAM BAM! ICH HAB NICHT AUFGEHÖRT! UND HEUTE IST AUS DEM ARCHIV EINE STIMME GEWORDEN. [VERSE 3] Manches war Wut. Manches war Trauer. Manches war einfach: „Heute schaffe ich nicht mehr.“ Manches war: „Ich glaube mir selbst nicht mehr.“ Und manches: „Doch. Ich weiß, was ich erlebt habe.“ Diese Texte haben keine perfekte Ordnung. Leben hat keine perfekte Ordnung. Aber wenn du lange genug schreibst, erkennst du irgendwann, welche Sätze immer wiederkommen. Welche Fragen nie beantwortet wurden. Welche Wunden noch Sprache brauchen. [BREAK – nur Klavier] [Female spoken] Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Schweigen und Verarbeitung. Schweigen löscht nichts. Es macht nur alles leiser. Schreiben dagegen gibt Dingen einen Ort. Und manchmal gibt es dir Jahre später deine eigene Stimme zurück. [BRIDGE – warmer Chor] Ich habe Seiten geschrieben, als ich dachte, ich hätte nichts mehr zu sagen. Ich habe geschrieben, als mein Leben nur noch aus Durchhalten bestand. Heute lese ich manches davon und sehe nicht nur Schmerz. Ich sehe jemanden, der geblieben ist. Der dokumentiert hat. Der weitergedacht hat. Der irgendwann wieder Zukunft geschrieben hat. [CHOIR] SCHREIB WEITER. LEB WEITER. ERZÄHL WEITER. [Female] Nicht damit die Vergangenheit gewinnt. Sondern damit sie nicht die einzige Geschichte bleibt. [BUILD] [Female] EINTAUSEND! [Choir] GESCHRIEBEN! DREITAUSEND! [Choir] GESCHRIEBEN! SECHSTAUSEND! [Choir] GESCHRIEBEN! SECHSTAUSENDFÜNFHUNDERT! [Choir] STIMME! [FINAL CHORUS] SECHSTAUSENDFÜNFHUNDERT TEXTE! UND KEINER DAVON HAT MICH ZUM SCHWEIGEN GEBRACHT! BAM BAM BAM! AUS WORTEN WURDE MUT! BAM BAM BAM! AUS ERINNERUNG WURDE MUSIK! ICH HAB NICHT ALLES ÜBERLEBT, UM MICH HEUTE WIEDER KLEIN ZU SCHREIBEN! DIESE ZEILEN WAREN EINMAL MEIN VERSTECK. HEUTE SIND SIE MEINE BÜHNE. SECHSTAUSENDFÜNFHUNDERT TEXTE. UND DAS HIER IST ERST DER ANFANG VON DEM, WAS SIE ERZÄHLEN KÖNNEN. [OUTRO – Tastatur verstummt] [Female whispered] Früher habe ich geschrieben, damit ich nicht zerbreche. Heute schreibe ich, weil ich noch da bin. [END]