
[Strophe 1] Ich sah mein Morgen hinter Glas, so deutlich wie ein altes Bild. Ich glaubte fest, ich wollte das, weil es als gutes Leben gilt. Ein Haus, ein Name, Sicherheit, ein Platz, den jeder anerkennt. Doch wann wird fremde Möglichkeit zum Wunsch, den man den eigenen nennt? [Refrain] Wer hat das in mich gelegt, das Bild von einem guten Leben? Wer hat mein Wollen so geprägt, dass ich begann, danach zu streben? Noch dreißig Jahre sind zu lang für etwas, das mich täglich leert. Ich such nicht länger fremden Klang, ich such, was meine Kräfte nährt. [Strophe 2] Es brauchte keinen lauten Zwang, kein Schild, das meinen Weg befahl. Es reichte Lob im rechten Klang und Scham bei jeder falschen Wahl. So lernte ich, mich selbst zu lenken, noch ehe man mir Grenzen zog. Ich hielt Gehorsam für mein Denken, weil Zwang sich gern als Freiheit log. [Refrain] Wer hat das in mich gelegt, das Bild von einem guten Leben? Wer hat mein Wollen so geprägt, dass ich begann, danach zu streben? Noch dreißig Jahre sind zu lang für etwas, das mich täglich leert. Ich such nicht länger fremden Klang, ich such, was meine Kräfte nährt. [Strophe 3] Ich frag nicht mehr, was Eindruck macht, nicht, was die andern in mir sehn. Ich frag, was mich nach Stunden entfacht und leichter lässt nach Hause gehn. Was mich am Abend nicht entleert, sondern mir noch Atem schenkt. Was keinen fremden Blick begehrt, weil es mich ganz von selber lenkt. [Bridge] Ich weiß nicht, wer mir Wünsche gab, bevor ich sie für meine hielt. Doch was mich trägt von Tag zu Tag, zeigt mir, wohin mein Leben zielt. Der Ursprung bleibt vielleicht verhüllt, kein Wunsch entsteht aus mir allein. Doch was mich wirklich noch erfüllt, darf heute meine Richtung sein. [Finaler Refrain] Vielleicht ist jeder Wunsch geliehn, bis ich ihn prüfe, Tag für Tag. Doch was mich weiter lässt erblühn, wird meines, weil ich es noch mag. Kein fremder Blick bestimmt den Wert, kein Beifall sagt mir, wer ich bin. Was mich nicht leert, sondern ernährt, dem geb ich meine Jahre hin. [Outro] Vielleicht bleibt offen, was mich lenkt, und wer zuerst den Wunsch entwarf. Doch was mir täglich Kräfte schenkt, ist das, was heute bleiben darf.

