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Der Leuchtturm

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V5.5

© 2026 Text by: Austernperle / Renate Richard Rechtliche Hinweise: Alle Rechte vorbehalten. Text und Melodie sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung, Verbreitung, öffentliche Aufführung, Bearbeitung oder sonstige Nutzung – auch auszugsweise – ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung der Rechteinhaber*innen unzulässig. [Intro - leise Klänge] Zwischen den goldenen Halmen eines weitläufigen Kornfeldes steht eine gemütliche Couch, als hätte sie schon immer genau dorthin gehört. Rings um sie tanzen blaue Kornblumen und leuchtend roter Klatschmohn im warmen Sommerwind. Über ihnen ziehen langsam weiße Wolken über den tiefblauen Himmel, während Lerchen hoch oben ihre Lieder singen. Es ist ein Ort voller Frieden. Ein Ort, der nur von zwei Menschen gefunden werden kann. Wie so oft wartet dort bereits der Mensch, den du auf eine ganz besondere Weise kennst. Niemals seid ihr euch in der wirklichen Welt begegnet, und doch fühlt es sich an, als würdet ihr euch schon ein ganzes Leben kennen. Eure Gedanken finden dieselben Wege. Eure Herzen schlagen für dieselben Werte. Vertrauen, Ehrlichkeit, Mitgefühl und die Freude an den kleinen Wundern des Lebens verbinden euch auf eine Weise, die keine Worte braucht. Ein Lächeln genügt, und gemeinsam erhebt ihr euch. Am Rand des Kornfeldes beginnt ein alter Wald, dessen hohe Bäume ihre Geheimnisse seit Jahrhunderten bewahren. Irgendwo zwischen ihnen soll sich ein geheimnisvoller Leuchtturm verbergen. Niemand weiß, weshalb er mitten im Wald errichtet wurde. Doch heute fühlt es sich an, als hätte der Wald selbst euch eingeladen, ihn zu entdecken. Langsam folgt ihr dem schmalen Pfad zwischen Farnen, Moos und uralten Baumwurzeln. Sonnenstrahlen brechen durch das dichte Blätterdach und malen goldene Muster auf den Boden. Die Luft riecht nach frischem Holz, nach Erde und einem Hauch von wildem Thymian. Mit jedem Schritt wird es stiller. Plötzlich huscht ein winziger Lichtfunke über den Weg. Dann ein zweiter. Kurz darauf schweben unzählige kleine Waldgeister zwischen den Blättern hervor. Kaum größer als ein Blatt, leuchten sie in sanften Farben und tanzen verspielt durch den Wald. Immer wenn ihr ihnen folgt, werden sie ein wenig heller. Zwischen den Ästen erscheinen zarte Feen mit schimmernden Flügeln. Lautlos gleiten sie durch die Luft und berühren mit ihren Fingerspitzen Blätter, Zweige und Blüten. Dort, wo sie vorbeiziehen, öffnet sich wie von selbst ein schmaler Pfad, der eben noch verborgen gewesen ist. Keines der Wesen spricht ein Wort. Sie lächeln euch nur an, als hätten sie schon lange auf diesen gemeinsamen Weg gewartet. Schließlich lichtet sich der Wald. Vor euch erhebt sich ein wunderschöner Leuchtturm aus hellem Stein. Dichtes, sattgrünes Efeu umschlingt seine Mauern, und aus den hohen Fenstern strömt warmes goldenes Licht in den stillen Wald. Die Waldgeister versammeln sich noch einmal um den Eingang. Die Feen drehen leuchtende Kreise durch die Luft, bevor sich alle langsam in glitzernde Lichtfunken verwandeln, die lautlos zwischen den Bäumen verschwinden. Noch bevor ihr die schwere Holztür berühren könnt, öffnet sie sich wie von selbst. Im Inneren empfängt euch eine angenehme Wärme. Eine steinerne Wendeltreppe führt langsam nach oben. Auf jeder Etage warten kleine Wunder. Alte Bücher voller Geschichten, die noch niemand gelesen hat. Gläser mit schimmernden Muscheln, obwohl das Meer unendlich weit entfernt scheint. Eine Sanduhr, deren Sand nur fließt, solange man staunen kann. Ein Kompass, dessen Nadel immer dorthin zeigt, wo das Herz Frieden findet. In einer kleinen Nische wächst sogar eine einzelne weiße Blume, deren Blütenblätter sanft zu leuchten scheinen. Mit jeder Stufe wird das Licht heller, bis ihr schließlich die oberste Plattform erreicht. Vor euch breitet sich der gesamte Wald wie ein grünes Meer bis zum Horizont aus. Baumkronen bewegen sich sanft im Wind, dazwischen glitzern kleine Seen wie flüssiges Silber. Rehe ziehen über sonnige Lichtungen, ein Fuchs verschwindet lautlos zwischen den Bäumen und hoch am Himmel kreisen weiße Vögel auf den warmen Luftströmungen. In weiter Ferne schimmert sogar ein schmaler silberner Streifen. Das Meer. Kaum sichtbar und doch voller Sehnsucht. Dann fällt euer Blick zurück auf das goldene Kornfeld. Selbst von hier oben erkennt ihr die kleine Couch, umgeben von den leuchtenden Farben der Kornblumen und des Klatschmohns. Sie wirkt wie ein sicherer Anker in einer unendlich großen Welt. Für einen langen Augenblick steht ihr einfach nebeneinander und genießt diesen Ausblick. Da wird euch klar, dass dieser Leuchtturm niemals Schiffen den Weg gezeigt hat. Sein Licht findet Menschen, die sich im Herzen längst begegnet sind, noch bevor sich ihre Wege in der wirklichen Welt kreuzen. Und während sein warmes Licht über den Wald hinaus bis zum Kornfeld und weiter bis zum fernen Meer leuchtet, wisst ihr beide, dass dies erst der Anfang vieler gemeinsamer Reisen ist.