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02 DER ERSTE SCHNITT

Und was als Ordnung begann, berührt nun Haut und Atem. ​Ich stehe vor dem Spiegelglas, mein Name klingt nicht mehr wie ich. ​Ein Raum aus Pflicht und stiller Last, zieht leise Linien durch mein Gesicht. ​Die Hände fremd, die Blicke leer, doch niemand sagt mir, warum hier. ​Nur dass es richtig, notwendig sei, was langsam mich verliert in mir. ​Die Schere glänzt im kalten Licht, wie etwas, das nicht fragen darf. ​Ein Atemzug, ein stiller Blick, der mehr verschweigt als er bewahrt. ​Ich spüre nicht den Schnitt allein, sondern das, was vorher war. ​Als würde etwas in mir gehen, das nie zurückzukehren war. ​Wenn Ordnung mich erschaffen hat, wer bin ich ohne sie? ​Und warum klingt in diesem Schnitt kein Trost, nur Melodie? ​Schneid mein Haar, doch nicht mein Denken. ​Nimm, was sichtbar ist, nicht mich. ​Lass mir nur den leisen Zweifel, der mich noch bei mir verspricht. ​Die Strähnen fallen lautlos schwer auf einen Boden ohne Sinn. ​Und irgendwo im Zwischenraum verliert sich, wer ich bin. ​Doch in der Stille wächst ein Satz, den niemand je zuvor erlaubt: ​Was, wenn ich mehr bin als das, was man mir zugedacht hat? ​Ein Schnitt… ein Schritt… ein Bruch… ​Schneid mein Haar, doch nicht mein Denken. ​Nimm, was sichtbar ist, nicht mich. ​Vielleicht beginnt das Leben nicht im Gehorchen, sondern im Entgleiten von Pflicht. ​Ein Schnitt…