
Und was als Ordnung begann, berührt nun Haut und Atem. Ich stehe vor dem Spiegelglas, mein Name klingt nicht mehr wie ich. Ein Raum aus Pflicht und stiller Last, zieht leise Linien durch mein Gesicht. Die Hände fremd, die Blicke leer, doch niemand sagt mir, warum hier. Nur dass es richtig, notwendig sei, was langsam mich verliert in mir. Die Schere glänzt im kalten Licht, wie etwas, das nicht fragen darf. Ein Atemzug, ein stiller Blick, der mehr verschweigt als er bewahrt. Ich spüre nicht den Schnitt allein, sondern das, was vorher war. Als würde etwas in mir gehen, das nie zurückzukehren war. Wenn Ordnung mich erschaffen hat, wer bin ich ohne sie? Und warum klingt in diesem Schnitt kein Trost, nur Melodie? Schneid mein Haar, doch nicht mein Denken. Nimm, was sichtbar ist, nicht mich. Lass mir nur den leisen Zweifel, der mich noch bei mir verspricht. Die Strähnen fallen lautlos schwer auf einen Boden ohne Sinn. Und irgendwo im Zwischenraum verliert sich, wer ich bin. Doch in der Stille wächst ein Satz, den niemand je zuvor erlaubt: Was, wenn ich mehr bin als das, was man mir zugedacht hat? Ein Schnitt… ein Schritt… ein Bruch… Schneid mein Haar, doch nicht mein Denken. Nimm, was sichtbar ist, nicht mich. Vielleicht beginnt das Leben nicht im Gehorchen, sondern im Entgleiten von Pflicht. Ein Schnitt…

