
Alan Kurdi - Meer trägt keine Kinder
Alan Kurdi – „Das Meer trägt keine Kinder“ (Deutsch / Kurdisch – Anatolian Delta Noir) Strophe I – Der Strand (Deutsch) Der Morgen ist grau, bevor die Sonne kommt. Ein Körper im Sand, zu klein für die Wellen, die ihn gebracht haben. Die Welt hält den Atem an, aber nicht aus Liebe. Nur aus Schock. Nur für einen Moment. Dann dreht sie sich weiter, als wäre nichts geschehen. Kurdischer Ruf – “Zarokên avê…“ „Die Kinder des Wassers…“ Refrain – Das Meer (Deutsch / Kurdisch) Das Meer trägt keine Kinder, es nimmt sie. Av zarokê nayê girtin, av tenê digire. Das Wasser hält keine Kinder, es holt sie nur. Und irgendwo lacht ein Fernseher über etwas Belangloses. Strophe II – Die Überfahrt (Deutsch) Ein Boot aus Hoffnung, dünner als die Nacht. Zu viele Körper, zu wenig Zukunft. Die Wellen sprechen eine Sprache, die niemand überlebt. Und an den Küsten stehen Menschen, die wegsehen, als wäre Wegsehen eine Tugend. Kurdischer Ruf – “Em li vir ne…“ „Wir sind hier…“ (…aber niemand hört uns.) Refrain – Die Gleichgültigkeit (Deutsch / Kurdisch) Manche Herzen sind schwerer als das Meer. Dilên wan giran in, ji avê jî zêde. Ihre Herzen sind schwerer als das Wasser. Und manche Augen sehen ein Kind und fühlen nichts. Bridge – Die Stimmen (Kurdisch) “Tu çi navê te ye, zarok? Kî li te li benda bû? Kî li te li hêvî bû?“ „Wie heißt du, Kind? Wer hat auf dich gewartet? Wer hat auf dich gehofft?“ Die Antworten liegen im Sand. Outro – Der Strand (Deutsch) Der Wind verwischt die Spuren. Das Meer nimmt die Stille mit. Nur der Name bleibt, klein wie ein Flüstern: Alan. Ein Kind. Ein Meer. Eine Welt, die nicht hingesehen hat.

