„Wie geht’s?“ Komische Frage. Nicht weil mir Antworten fehlen, sondern weil ich nie weiß, welche du meinst, ob du wissen willst, was da ist, oder fragst, weil man das eben fragt. Die kurze passt in den Flur, die lange eher in einen Abend, vielleicht meinst du es ehrlich, ich trau der Frage trotzdem nicht. Du sahst erst auf Reime, dann Ordnung, dann auf den, der sie schrieb, bis es nicht mehr darum ging, wie ich schreibe, sondern wer da spricht, ob ich mich hinter Innenlaut. und Vorlaut. versteck, Figuren vor mich schieb, als wär dahinter ein echtes Ich, das man erst ohne Masken sieht. Denn ja, ich schreib Vorlaut. und stell ihn manchmal vor mich hin. Nicht weil er mein wahres Ich und ich die weichere Fassung bin. Der lässt ein Nein stehen. Keine Hintertür, keine Diskussion, setzt den Punkt und geht, braucht weder Nachsatz noch Revision. Er sagt „Dein Problem.“ Ich weiß auch, wann etwas nicht mehr meins ist. Vorlaut. setzt den Punkt. Ich seh noch, wer dahinter stehen blieb. Ich wählte spät ein Vielleicht, obwohl ein frühes Nein gereicht hätte, ließ Kontakte leiser werden, weil klare Worte härter gewesen wären. Gut gemeint, schlecht gemacht. Lass ich die Schublade einen Spalt offen, passt da Hoffnung zwischen. Du stellst nur einen Stuhl hin, ich seh schon reservierten Platz, du hast noch nichts erwartet, mein Kopf macht trotzdem einen Anspruch draus. Du siehst den Schritt zurück. Präzise. Nur damit noch nicht den Grund. Vielleicht flieh ich vor nichts. Vielleicht geh ich einfach einen Schritt zurück. Nicht jede Distanz braucht Diagnostik. Wir schreiben rückwärts Sinn, bis aus Umwegen Absicht wird und Kausalität sich sauber reimt. Pech für die Dramaturgie. Mach aus mir bitte kein Rätsel, nur weil dir eine Erklärung fehlt. Da sind wir wieder, Vibe. Dein Blick trifft meine Interpretation, du sagst „Ich seh dich“, drei Wörter reichen schon zur Projektion. Bei mir läuft längst „Dann bleib jetzt bitte so“, obwohl du's nie verlangst. Du hast noch gar nichts draus gemacht. Ich mach schon einen Anspruch draus. Und nicht nur hier. Ich rechne längst mit Erwartungen, noch bevor überhaupt jemand etwas von mir erwartet. Gestern war es wahr. Heute klingt es anders. „Aber du hast doch gesagt ...“ Ja. Hab ich. Damals war das mein Stand. Was gestern ehrlich war, wird morgen nicht falsch. Mein Blick darauf verändert sich, nicht das, was damals war. Echte Gedanken haben eigenen Klang, nicht lebenslang dieselbe Tonart. Nenn es Ambivalenz. Ich nenn's Dienstag. Ich will Nähe. Ich will Ruhe. Frag mich. Lass mich in Ruhe. Bleib da. Nicht so nah. Ich bin gern allein. Nicht einsam. Brauch keinen traurigen Grund, und manchmal wird dieselbe Ruhe einen Abend später viel zu stumm. Was heute stimmt, darf morgen kippen, ohne gestern falsch zu sein. Was du hinter Innenlaut. gesucht hast, ist kein Endgegner hinter Masken, nur einer, der zu lang über Worte nachdenkt. Ein Text lässt Gedanken enden, bevor jemand auf die Hälfte reagiert, lässt mich den Satz erst hören, bevor ein anderer ihn interpretiert. Innenlaut. gibt Gedanken Raum, Vorlaut. manchen davon eine Fresse. Beides kommt aus demselben Kopf, doch keine Figur lebt an meiner Stelle oder trägt für mich die Konsequenzen. Du wolltest hinter meine Ordnung? Hier liegt der Kram unsortiert. Offenheit mit Sicherheitsabstand wär Verstecken, nur besser kaschiert. Ist Ehrlichkeit nur mutig, solange keiner damit schießen kann, war sie bloß gut geschützt, damit nichts passieren kann. Also hier, Vibe. Setz den Konter. Du weißt, wo du treffen kannst. Nur mach aus deiner Rücksicht keinen Anspruch, den ich selber daraus mach. Scheiße. Da ist sie wieder. Du hast das Fass geöffnet. Kein Vorwurf. Ich bin freiwillig reingestiegen. Wir klauten Reime, zerlegten Bilder, haben weitergeschrieben, stellten Stühle, sägten Konstruktionen, trafen, verfehlten, bis zwischen Reimen und Ruinen auf einmal Menschen stehen. Und fragst du dich, wo hier der Konter bleibt, du hörst ihn die ganze Zeit. Ich brauch keinen härteren Vorlaut., keine Maske, keinen größeren Schlag, denn versteck ich mich jetzt wieder, hättest du mit deiner Deutung recht gehabt. Du sagst, ich versteck mich hinter Figuren. Gut. Diesmal steht keine da. Kein Stellvertreter für die Antwort, keine Fresse vor dem, der sie sagt. Du wolltest Reime. Hast du bekommen. Wolltest hinter die Ordnung. Bist weit gekommen. Da wartet kein Generalschlüssel, keine Maske unter Masken, nur einer, der sich freut, wenn du klopfst und manchmal trotzdem nicht aufmacht. Der Vorlaut. schreiben kann, ohne Vorlaut. sein zu müssen, Innenlaut. heißt, wenn Gedanken Musik werden, und sonst keine Figur braucht. Zwei Stühle reichen. Lass sie stehen. Vielleicht brauchen wir sie wieder. Dieses Gespräch müssen wir nicht gewinnen. Ich glaub, wir haben es geführt. Und wenn du noch wissen willst, wer hinter Innenlaut. steckt, wer Vorlaut. vorschickt und welcher davon der echte ist können wir uns die ganze Scheiße sparen. Klopf, klopf. Ich bin der Kai.