
Bis ich mich selber sah [Strophe 1] Nie hübsch genug, nie schlank genug, der Spiegel war mein größter Feind. Ich sah die Fehler, jede Falte, doch nie den Menschen, der da weint. Hab mich verglichen, mich verbogen, für einen Blick, für ein „Bleib hier“. Bin anderen viel zu lang gefolgt und immer weiter weg von mir. Ich wollte nur, dass einer sieht, was hinter meiner Stärke liegt. Nicht nur die Frau, die alles schafft, auch die, die fällt und trotzdem liebt. [Pre-Chorus] Doch ich suchte mich in fremden Augen, bettelte leise: „Sieh mich an.“ Und nahm viel weniger als Liebe, nur damit ich dazugehören kann. [Refrain] Nie hübsch genug, nie schlank genug, nie richtig, wie ich eben bin. Ich rannte falschen Männern hinterher und gab mich Stück für Stück dahin. Ich dachte immer: Wenn er mich nur sieht, dann seh ich endlich meinen Wert. Doch wie soll jemand mich erkennen, wenn ich mich selbst nicht sehen lern? [Strophe 2] Ich machte Arbeit zu meinem Namen, Leistung wurde mein Gesicht. Immer stärker, immer weiter, bloß stehen bleiben durfte ich nicht. Ich konnte tragen, konnte kämpfen, Probleme lösen, funktionieren. Solang ich gebraucht wurde, war ich jemand – also durfte ich nie verlieren. Doch wer bin ich, wenn keiner ruft? Wenn keine Aufgabe vor mir steht? Wenn ich nichts leisten muss für Liebe und niemand fragt, ob alles geht? Vielleicht bin ich dann einfach ich. Ein Mensch mit Narben, Herz und Mut. Eine Frau, die so viel geben kann – und auch ohne Leistung genug. [Refrain] Nie hübsch genug, nie schlank genug, nie richtig, wie ich eben bin. Ich rannte falschen Männern hinterher und gab mich Stück für Stück dahin. Ich dachte immer: Wenn er mich nur sieht, dann seh ich endlich meinen Wert. Doch wie soll jemand mich erkennen, wenn ich mich selbst nicht sehen lern? [Bridge] Vielleicht war nie der Spiegel schuld. Vielleicht war es der Blick darin. Die Stimme, die mir jahrelang erzählte: „So wie du bist, reicht es nicht hin.“ Ich hab Männer zu Richtern gemacht, ihren Blick zu meinem Urteil erklärt. Hab aus Nähe Liebe gemacht und aus Ablehnung meinen Wert. Doch ich bin nicht meine Kleidergröße. Nicht die Zahl auf irgendeiner Waage. Nicht mein Umsatz, nicht mein Titel, nicht wie viel ich für andere trage. Ich bin die, die immer wieder aufstand. Die gegeben hat, obwohl sie selber fiel. Vielleicht hab ich mich nie gesehen – doch verdammt, da ist noch so viel. [Letzter Refrain] Ich bin hübsch genug, ich bin genug, auch wenn ich’s selbst erst lernen muss. Ich muss niemandem mehr hinterherrennen für einen Blick, für einen Kuss. Und wenn mich einer wirklich lieben will, dann nicht, weil ich mich für ihn dreh. Er darf mich sehen, wie ich wirklich bin – doch zuerst will ich, dass ich mich seh. [Outro] Heute steh ich vor demselben Spiegel, und vielleicht lieb ich noch nicht, was ich seh. Doch ich hasse diese Frau nicht länger. Ich bleib bei ihr. Ich geh nicht weg. Denn vielleicht war das die Liebe, nach der ich all die Jahre rief: Nicht endlich jemanden zu finden, der mich sieht – sondern endlich mich.

