Im Schattenland, im Nebelgrau, zieht jemand fort, so jung, so schlau. Er sucht das Grauen, sucht die Nacht— wo jeder flieht, steht er und lacht. Wer wagt sich in des Dunkels Hall? Wer sucht den Schreck im Geisterwall? Nur einer geht den Weg allein— und will des Fürchtens Meister sein! Ich hab’s versucht, doch niemand sagt, wie man sich wirklich fürchten mag. Wann bebt das Herz, wann bricht der Mut? Ich will es spüren—im Fleisch, im Blut! Vater, lass mich endlich ziehn, dorthin, wo Schatten lebendig glühn. Ich will nicht warten, ich will’s erfahren, wo Albträume die Luft zerfahren. wuchtig Fürchten! Fühlen! Die Dunkelheit zerwühlen! Er sucht das Grauen, sucht den Grund— warum die Welt so tief verwund’! Ich will wissen, was euch schreckt, was die Nächte schwarz verdeckt! Führt mich fort, wohin ihr rennt— wo das Dunkel wirklich brennt! Komm zu uns… komm zu uns… Wir warten schon so lang… Im Galgenbaum, im Flammentanz, wo Kälte singt im Herbstkranz. Drei Nächte nur—dann weißt du’s ganz. Die Furcht ist Mauer, Furcht ist Glanz! Ihr seid Gespenster, doch nicht mein Feind! Ihr heult und kreischt—doch ich bleib’ unbeeind. Wer euch die Stirn nicht bieten kann, ist weniger Mensch als irgendein Mann! Schreit lauter! Brüllt stärker! Zeigt mir, was euch mächtig macht! Ich komm nicht her, um zu entfliehn— ich komm, weil ich sonst nichts fühl’ in der Nacht! Fühl es! Fühl es! Wenn das Dunkel dich umspült! Wenn die Schatten nach dir greifen, dir den Atem leis' zerreißen! Doch ich fühl’ nichts, ich bleib’ ganz klar, kein Schauer fährt durch mein Haar! Steh ich im Sturm, steh ich im Licht— die Dunkelheit berührt mich nicht! Wer keine Furcht kennt, kennt kein Herz, kennt weder Liebe noch den Schmerz. Doch in dir glimmt ein Funken sacht— ein Licht im stillen Ozean der Nacht. Wenn Dunkelheit dich nicht erreicht, vielleicht das Herz, das zu dir spricht… Komm näher, Fremder, fass mein Wort— die größte Furcht beginnt im Ort, wo zwei Seelen sich berühr’n… und beide zittern—und beide spür’n. Jetzt fühl es! Fühl es! Das Herz erbebt, der Atem zittert! Nicht das Dunkel, nicht die Nacht, nein—Liebe ist es, die dich flattert! Ich fühl’s! Ich fühl’s! Es brennt in mir! Kein Geist, kein Schatten— nur du—nur hier! Du suchtest Furcht im Totenreich… doch wahre Furcht macht Herzen weich. Wenn die Dunkelheit zerbricht— dann offenbart das Herz sein Licht! Fürchten heißt, lebendig sein— und nie mehr völlig allein! So zog er aus, durch Nacht und Wind, um Furcht zu lernen wie ein Kind. Doch fand er mehr, als er gedacht— die Furcht begann, als Liebe erwacht.