
Zerdrück die Träne nicht in deinem Auge du hast die Träne ja um mich geweint Vergönne, daß ich diese Perle sauge Daß sie mit meiner Lippe sich vereint. Wie macht die Träne Dich so engelschön Ich möchte Dich wohl ewig weinen sehn Allein die Träne ist das Kind der Schmerzen Sie kommt aus Deiner gramerfüllten Brust Wie konnt ich über Deine Träne scherzen Und wie sie sehn voll grauenhafter Lust O, nimm mein Herzblut für die Träne hin Und glaub daß ich Dir ewig dankbar bin Ich weiß, sie haben oftmals Dich gescholten Und Dir getrübt den engelreinen Sinn Doch hat ihr finst´rer Haß nur mir gegolten Weil ich Dir Wert, weil ich Dir teuer bin Wär ich so schlimm, wie sie es oft gemeint Kein Engel hätte dann um mich geweint Gedulde Dich! Ich will die Tränen stillen Und ruh indeß an meiner treuen Brust Die heilgen Schwüre all werd ich erfüllen Und aus dem Schmerz entblüht Dir neue Lust. O, weine nicht! — An Gottes Traualtar Flecht Dir bald die Myrte in das Haar

