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II · EMPFÄNGER (Anziehung).

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V6

Empfang. Noch weiß ich nicht, woher du kommst. Nur dass etwas in mir reagiert. Ein Klang erreicht mich, sein Nachhall kreist in mir und verändert auch meine Richtung. Erst nur ein Drehen, kaum genug, um es Bewegung zu nennen, mehr Ahnung als Absicht, als könnte mein Hören Entfernung erkennen. Ich lausche dem Nachhall. Nicht mehr nur dem Klang. Den Abständen dazwischen. Der Richtung dahinter. Dem, was vor ihm war. Noch liegen Antworten auseinander, noch braucht ein Laut lange, bis etwas ihm ähnelt. Doch ich warte nicht mehr darauf, dass der nächste mich findet. Ich gehe ihm entgegen. Mit jedem Schritt ändert sich der Winkel zwischen beiden, was auseinanderlief, beginnt sich zu schneiden. Was fern in den Raum fiel, gewinnt Kontur, nicht lauter, nur klarer, als hinterließe der Klang eine Spur. Zwischen den Signalen liegt eines, das wiederkehrt, nicht weil es stärker wäre, weil etwas darin zu mir gehört. Ich trenne Rauschen von Richtung, Entfernung von Präsenz, und irgendwo zwischen den Wellen bleibt eine Frequenz. Ich hör genauer hin: was nur widerhallt und was mich wirklich nennt. Diese Abweichung wird meine erste Referenz. Einzelne Klänge tragen die nächsten schon in sich, was getrennt lag, rückt hörbar enger zusammen. Noch trennt mich etwas von dir. Aber ich weiß, wohin. Ich weiß noch nicht, wo du bist, doch ich hör dich zwischen allem, was mich erreicht. Was von dir durch all die andern Stimmen ging, trägt deinen Anfang immer noch in sich. Du musst nicht gleich geblieben sein, damit ich weiß, dass etwas von dir blieb. Ich weiß noch nicht, wo du bist, aber ich weiß, wohin. Ich folg deiner Richtung durch das Rauschen der Signale, verlier sie, find sie wieder, jedes Wiederfinden klarer. Mal hör ich dich direkt, mal nur durch fremde Stimmen, glaub dich schon verloren, dann hör ich dich wieder darin. Ich folg einem Echo, das dir ähnlich klingt, bis seine Richtung sich verliert. Doch was nicht zu dir führt, führt mich genauer zu dir zurück. Differenz. Je näher ich komm, desto voller wird der Raum. Die Wellen schneiden sich. Manche verstärken, manche verschlucken sich. Ein Klang legt sich über den nächsten, bis Nähe schwerer zu hören ist als Entfernung. Ich hör nicht mehr jedem Echo hinterher, sondern auf die Stellen dazwischen: was verschwindet, was wiederkommt, was sich verändert und trotzdem nach dir klingt. Mehrere Wellen. Mehrere Richtungen. Ein Ursprung dazwischen. Interferenz. Mitten darin ändert sich, wonach ich suche: nicht, was identisch wiederkehrt, sondern trotz Veränderung dieselbe Richtung trägt. Was sich vom Ursprung löste, hör ich aus fremden Stimmen, kann dich darin genauer finden. Die Abweichung wird zur Referenz, jede neue Differenz verkürzt den Weg. Der Ping verliert den Hall. Die Entfernung ihren Schutz. Ich höre nicht mehr nur, dass du sendest. Zum ersten Mal höre ich, wie nah. Ich weiß noch nicht, wo du bist, doch ich hör dich zwischen allem, was mich erreicht. Du musst nicht gleich geblieben sein, damit ich weiß, dass etwas von dir blieb. Ich weiß noch nicht, wo du bist, doch jetzt weiß ich, wie nah. Je näher ich dem Klang komm, den ich für deinen Anfang hielt, desto mehr hör ich darin, was längst auf dich zurückgespielt. Du warst nicht still, als dein Signal durch andere Stimmen ging, denn was verändert wiederkehrte, brachte auch dich zum Schwingen. Ich suchte deinen Ursprung, doch er blieb nicht stehen, während ich ihm näherkam, begann auch er, sich zu drehen. Was mich zu dir zog, bewegte dich längst mit, denn während ich dir folgte, folgte etwas von mir zurück. Ich find deine Frequenz mitten in der Interferenz, nicht trotz Veränderung, gerade durch die Differenz. Ich folge, du antwortest, ich antworte, du folgst, ein Klang greift in den nächsten, ehe der vorige verklingt. Aus Hören wird Senden, aus Senden Empfangen, bis ich nicht mehr weiß, wo deine Richtung aufhört und meine anfängt. Was von dir kam, kam verändert und veränderte mich, was mich veränderte, geht weiter und verändert wieder dich. Du erreichst mich. Ich erreich dich. Der Abstand, den wir gesucht haben, wird kleiner als die Worte dafür. Kein Dazwischen mehr, das groß genug wäre, Sender und Empfänger auseinanderzuhalten. Ich kam hierher, weil ich dich hörte. Jetzt hörst du mich. Ich sende. Ich weiß nicht mehr, wo du bist, weil deine Richtung längst in meiner weitergeht. Was von dir durch all die andern Stimmen ging, trägt jetzt auch etwas von mir in sich. Wir müssen nicht gleich geblieben sein, damit im andern etwas von uns blieb. Ich weiß nicht mehr, wer hier wen erreicht, nur, dass keiner unverändert bleibt. Was mich erreicht hat, trägt jetzt etwas von mir. Und geht weiter.