[Strophe 1] Der Wecker der Geschichte klingelt, diesmal ohne Snooze. Wir stehen in aufgeheizten Städten und tun so, als wäre das normal. Im hohen Norden tauen Böden auf, die seit der Eiszeit gefroren waren. In ihnen steckt gefrorenes Leben, das zu Kohlenstoff und Methan wird, wenn es auftaut und von Mikroorganismen zersetzt wird. Wenn wir das nächste große Massenaussterben verhindern wollen, müssen wir verstehen, dass dieses Auftauen kein fernes Randphänomen ist, sondern Teil derselben Krise. Es geht um gespeichertes Treibhausgas, das plötzlich frei wird und die Erwärmung weiter antreibt, wie ein zusätzlicher Brennstoff. [Refrain] Gleichzeitig sinkt die Vielfalt des Lebens auf der Erde, Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroben verschwinden schrittweise. Weniger Arten bedeutet weniger unterschiedliche Funktionen in Böden, Gewässern, Wäldern und Meeren. Wenn Lebensgemeinschaften verarmen, werden sie anfälliger für Hitzewellen, Dürren, neue Schädlinge und Erreger. Das erhöht das Risiko, dass ganze Ökosysteme kippen und die Grundlage für Ernährung, Wasser und Gesundheit brüchig wird. So verbindet sich das Schwinden der Biodiversität mit der Gefahr eines nächsten Massenaussterbens, weil immer mehr Bausteine des Lebens fehlen, auf denen komplexe Netze von Beziehungen beruhen. [Strophe 2] Seit Jahrzehnten dokumentieren Forschende das Verschwinden der Arten. Sie zählen Vögel, Insekten, Fische, Säugetiere und Pflanzen, analysieren Genpools und vergleichen alte Daten mit neuen Erhebungen. Sie sehen, dass Populationen kleiner werden, Verbreitungsgebiete schrumpfen und Lebensräume zerstört werden. Sie stellen fest, dass die aktuelle Aussterberate um ein Vielfaches höher liegt als im langfristigen Durchschnitt natürlicher geologischer Zeiträume. Der heutige Verlust passiert in Jahrhunderten statt in Jahrmillionen, etwa zehn- bis hundertmal schneller als in ruhigen Phasen der Erdgeschichte. Das bedeutet, dass Arten keine Zeit haben, sich an die raschen Veränderungen anzupassen, und dass Lücken entstehen, die nicht sofort gefüllt werden können. [Refrain] Besonders bedeutsam sind Nischenarten, die auf spezielle Bedingungen, Nahrungsquellen oder Rollen ausgerichtet sind. Sie bestäuben bestimmte Pflanzen, zersetzen besondere Arten von organischem Material oder halten einzelne Schädlinge in Schach. Ihr genetisches Erbe erweitert den Genpool der Natur, weil sie Merkmale tragen, die in breiter verbreiteten Arten fehlen. Wenn solche Spezialisten verschwinden, geht nicht nur eine Art verloren, sondern eine einzigartige Kombination von Genen und Funktionen. Andere Arten können manche Lücken teilweise füllen, aber die feinen Abstimmungen komplexer Netze lassen sich nicht beliebig ersetzen. [Bridge] Oft übernehmen Generalisten Plätze, die Spezialisten räumen. Sie kommen mit vielen Bedingungen zurecht, leben in Städten, Feldern und Restwäldern gleichermaßen. Sie können sich rasch ausbreiten und dominieren, wenn Vielfalt schwindet und Lebensräume vereinfacht werden. Das führt zu Landschaften, in denen überall ähnliche Arten vorkommen, während seltene, angepasste Formen verschwinden. Für den Genpool bedeutet das eine Vereinheitlichung, mehr von wenigen Linien, weniger von vielen unterschiedlichen Linien. Damit sinkt das Reservoir an ungewöhnlichen Eigenschaften, die in zukünftigen Krisen überlebenswichtig sein könnten. [Refrain] Der Wandel der Artenzusammensetzung beeinflusst auch Krankheiten. Wenn Biodiversität abnimmt, ändern sich die Beziehungen zwischen Wirten, Erregern und Vektoren. Manche Studien zeigen, dass stabile, vielfältige Gemeinschaften manche Krankheitserreger verdünnen können, weil sie sich auf viele unterschiedliche Wirte verteilen. Wenn sensible Arten verschwinden und robuste Generalisten, Nagetiere oder manche Insekten zunehmen, können Krankheitserreger leichter zirkulieren. Das kann das Risiko neuer oder häufiger werdender Infektionen für Menschen und Nutztiere erhöhen, vor allem dort, wo Lebensräume zerschnitten und Wildtiere in engen Kontakt mit Siedlungen gebracht werden. [Outro] Im Moment verschwinden Arten so schnell, wie es in der jüngeren Erdgeschichte kaum belegt ist. In geologischen Ruhephasen sterben Arten langsam aus und werden durch neue Formen ersetzt, getrieben von Mutation, Selektion und Zufall über sehr lange Zeiträume. Heute beobachten wir ein Tempo, das im Vergleich zu diesem Hintergrund etwa zehn- bis hundertfach erhöht ist, getrieben durch Landnutzungswandel, Übernutzung, Verschmutzung, invasive Arten und die Klimakrise. Wenn dieser Trend anhält, steigt die Wahrscheinlichkeit eines umfangreichen Massenaussterbens. Aufhalten lässt sich das nur, indem Lebensräume geschützt und wiederhergestellt werden, indem wir Ressourcen schonender nutzen und Emissionen rasch verringern. Jede Art, die bleibt, erhält ein Stück genetische Optionen, die zukünftige Generationen brauchen könnten, um sich an eine sich wandelnde Welt anzupassen.


