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Ich Stand im Weiß

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V6

[Rezitativ] Im Festsaal glänzt noch Gold und Tann, die Orgel schwoll, die Glocke sang. Ich stand im Weiß, das Kränzchen schief, und jeder Blick war mir zu viel. Die Tische reich, das Bier so klar, die alten Frauen nickten starr. Mein Mann hob an beim letzten Toast, die Stadt war stolz — und ich war groß. [Arie] O schweig, mein Herz, du unruh'ger Gast, du lächelst dort, wo du nicht Platz hast. Der Saal verklang, das Brot war rein, und doch zieht heimlich etwas an mich heran. Ich trug dem Dorf sein Festgewand, ich band die Schleifen mit fester Hand. Man lobt mich laut, man nennt mich zart — und ahnt nicht, was ich in mir barg. Denn einer kennt mein zweites Gesicht, sein Blick nur streift mich, mehr noch nicht. Kein Wort, kein Brief, kein offner Laut, kein Name, den man schreiben traut. Ich nenn ihn nicht. Ich wag es nie. Er steht mir nah wie die Litanei. Ein Schritt von ihm — und ich verlier den festen Boden unter mir. [Recitativo] Mein Gatte sitzt mit ruhiger Stirn, die Stadt erhebt sich um uns her. Und ich — ich lüge mit dem Lächeln still, als wär mein Busen brach und leer. Doch wenn die Dielen nachts verstummen, wenn vom Rathaus die Uhren glühn, dann brennt in mir ein heimlich Summen, als wollt' die Sünde Rosen blühn. [Arie] Ich schäm mich tief. Ich beug das Haupt. Dem treuen Ring hab ich kaum geglaubt. Den ganzen Ort führ ich im Chor, und hinter mir schlägt schon ein anderes Tor. Ein Blick von ihm, und alles hält, als ob mir Luft und Name fehlt. Ich weiß, ich sinke — und ich bleib, gefangen in dem zarten Weib. O Name, den mein Mund nicht nennt, du bist das Feuer, das mich kennt. Du bist die Stille nach dem Choral, du bist mein Fluch, mein süßer Fall. [Schluss] So steh ich hier in Brautenschmuck, von außen Glanz, von innen Druck. Die Stadt singt laut, ich sing allein — und darf doch nicht die Seine sein.