Song Cover Image

Grusel dich nicht! Ein Duett

[Strophe 1] Ich spüre in mir wieder diesen Drang, dem ich nicht widerstehen kann. Die Neugier treibt mich aus meinem Zimmer raus, hinein in die Flure dieses riesigen Hauses. Ein endloses Labyrinth aus Räumen und Gängen, an dessen Wänden die Lichter der Elektrizität hängen. Ich wandere lautlos durch diese neue Welt, die mich wie ein Zauber gefangen hält. [Strophe 2] Ich gehe den Gang zum Lift entlang. Ein Page öffnet das Gitter aus Stahl, er fährt mich nach unten, hinab in den Saal. Hinab zum prachtvollen Foyer, dort treffe ich den Hotelier. Er lädt mich ein, das Excelsior zu erkunden, mich einfach treiben zu lassen für einige Stunden. So gehe ich vorbei an weit geöffneten Türen, lass mich von all den neuen Eindrücken verführen. Im Palmenhaus plätschert ein Brunnen aus Stein, dort sitzen die Damen beim Tee im Lichterschein. Und im Rauchsalon, abgeschirmt von der Welt, sitzen die Herren mit Macht und mit Geld. Im blauen Zigarrenrauch, in prunkvollen Sesseln, lassen sie sich von der Ruhe fesseln. Sie trinken ihren Cognac und Wein, die Pagen schenken immer wieder ein. [Strophe 3] Mein Weg führt mich weg von den Gästen, ich nehm’ die Treppe des Personals. Vorbei an der Bar – sie ist, wie man mir sagte, das Neuste aus Amerika. Die Stufen führen mich hinab in den feuchten Nebel der Wäscherei, wo der Dampf sich schwer in meine Lunge legt. Zwischen kochendem Wasser und nassen Laken auf der Leine höre ich, wie zwei Zimmermädchen flüstern: Von Schatten im sechsten Stock, von Stimmen aus Zimmer sechsundsechzig… Ein Raum, dessen Tür seit Jahren fest verschlossen ist. Zwei andere erzählen von dunklen Flecken auf dem Teppich im vierten Stock – Flecken, die sie schrubben und waschen… Doch jeden Morgen aufs Neue sind die Flecken wieder da. [Chorus] Das Personal flüstert heimlich in den Gängen, doch ich höre gar nicht richtig hin. Jedes alte Haus hat seine Mythen, die nur aus Staub und Einbildung sind. Sollen sie reden von Schatten in den Ecken, von Flecken, die nicht verschwinden. Ich lächle nur, denn mir ist längst klar: Solche Schauergeschichten sind niemals wahr. [Strophe 4] Ich gehe weiter, mein Weg führt mich durch die Telefonzentrale, vorbei an den Damen, die mit nervösen Händen die Kabel stecken. Sie flüstern von Telefonaten aus Zimmern, in denen niemand wohnt, von einem leisen, traurigen Weinen am Ende der Leitung. Ich eile weiter durch die Küche, durch den Heizungskeller… Egal wo ich stehe, egal wohin ich gehe – überall höre ich das Geflüster des Personals. [Strophe 5] Ich kehre zur Treppe zurück, sie führt mich zum Lift. Dort höre ich die Pagen, die sich leise unterhalten. Sie flüstern von der eisernen Kabine, die nachts von ganz allein fährt – aus den obersten Stockwerken tief hinab in den Keller, ohne dass ein Finger den Knopf gedrückt hat. Und wenn sich das schwere Gitter hier unten öffnet, ist niemand darin… Doch die Luft riecht plötzlich nach verbrannter Haut, und das dicke Stahlseil schwankt, als würden Gäste den Lift verlassen. [Final Chorus] Das Personal flüstert heimlich in den Gängen, doch ich höre gar nicht richtig hin. Jedes alte Haus hat seine Mythen, die nur aus Staub und Einbildung sind. Sollen sie reden von Flecken und weinenden Zimmern, von unsichtbaren Gästen und verbrannter Haut. Ich lächle nur, denn mir ist längst klar: Solche Schauergeschichten sind niemals wahr.