Der Feigling hat mich wieder vorgeschickt. Ich weiß. Wird langsam Gewohnheit. Du wolltest Innenlaut. Stattdessen sitz ich hier. Welcher Stuhl meiner ist? Der, auf dem ich sitze. Vibe, du hast aus ihm also den Professor gemacht. Doktor der Reimwissenschaft, penibler Geist, der Takte teilt, Stellen dreht, Strukturen seziert und auf dein Chaos starrt, bis er darin etwas sieht. Sein Ding. Ich bin nicht hier, um ihn zu verteidigen. Du sägst an seinem Uhrwerk? Säg. Du trittst gegen seinen Takt? Tritt. Wenn du glaubst, da sitzt ein Bruch, dann setz ihn. Steht es zu stabil, dann test es. Vielleicht hält's. Vielleicht fällt's. Ist sein Uhrwerk. Nicht meins. Du stiehlst seine Sätze, setzt sie zwischen deine, drehst die Spitzen, schickst sie Stück für Stück zurück, drehst seine Sicht, bis sich die Richtung verschiebt, und nennst Reimeklauen dein Lieblingsspiel. Verstanden. Das ist kein Einbruch mehr. Du hast einen Schlüssel. Professor, Perfektion, Penibilität, sortiert, als Paket vor seine Tür gestellt. Spar dir nächstes Mal das Porto. Ich erklär dir nicht, warum der Mann so schreibt. Innenlaut. ist beschäftigt. Also hat er mich geschickt. Schlechte Entscheidung. Für dich. Also du bist Vibe. Große Fresse, Säge, Reime im Gepäck. Okay. Die Fresse kenn ich. Hab selber eine. Dafür, dass du Professor und Präzision gern belächelst, hast du verdammt gut gehört, bevor du seine Sätze drehst. Greifst Bilder auf, drehst Blickwinkel, kippst Gedanken Stück für Stück, dein Konter dreht sie gegen ihn, und trotzdem führt die Spur zurück. Nicht schlecht. Gewöhn dich nicht dran. Fast ein Kompliment. Du dressierst den Satz nicht? Gut. Dann lass ihn dreckig. Lass Kanten stehen, lass den Bruch im Takt, lass ihn stolpern, solange er ankommt, wo du ihn haben willst. Das ist der Punkt. Nicht, ob dein Chaos sauber aussieht. Sondern ob dein Scheiß trifft. Und deiner trifft. Manchmal. Jetzt grins nicht so. Denn Krach allein kann jeder. Kante ohne Kopf bleibt Krawall mit gutem Timing. Du greifst Gedanken, kippst Kontexte, kreuzt Blickrichtungen, knickst Bilder dort, wo der Knick die Aussage trifft. Okay. Jetzt macht's Spaß. Du willst die Säge? Bitte. Setz sie an. Aber wunder dich nicht, wenn aus dem Schnitt plötzlich eine Kante kommt, an der du selber hängenbleibst. Da. Genau die. Nicht gucken. Weiter. Du setzt Klang gegen Klang, Kante gegen Kante, kippst den Takt aus der Spur und fängst ihn wieder ab, bringst Konter dreckig, ohne den Kern zu übersehen, triffst präzise, ohne plötzlich zum Professor zu werden. Siehste. Geht doch. Und bevor das hier nach Kompliment klingt: Ich kenn den Scheiß. Punktgenau die wunde Stelle. Sauber getroffen. Falscher Moment. Falscher Mensch. Hab gewonnen. Stand allein da. Fortschritt. Der Punkt saß. Ich daneben. Passiert. War ein hervorragender Satz. Hat mir nur keiner mehr zugehört. Aber wenn du weiter klauen willst: Bitte. Jetzt weiß ich, dass du damit was anfangen kannst. Also pass auf. Du klaust Passagen, kippst Perspektiven, packst sie passend in dein Stück, brichst Bilder aus dem Rahmen, baust sie um und schickst sie anders zurück, konterst Kante gegen Kante, setzt den Gegendruck gezielt, bis der Punkt, den du bekämpfst, plötzlich für deine Pointe spielt. Du trittst Takte, kippst Betonung, lässt die Bruchkante bestehen, packst den Professor in Pakete, nur um grinsend draufzustehen, klaust den Klang, behältst den Dreck, lässt Konstruktionen kollidieren und verlierst bei all den Splittern nicht, worum es geht. Gut. Jetzt hast du mich. Kante geklopft. Punkt getroffen. Mist. Du packst Bilder, brichst Perspektiven, kippst den Kontext Stück für Stück, setzt den Gegendruck so punktgenau, dass geklauter Sinn zurückschlägt, presst Gedanken in Betonung, bis der Druck Bedeutung trägt, kippst den Takt, doch hältst den Kern, während sich der Rest bewegt. Du wolltest seine Reime? Bitte. Pack sie, knack sie, bau sie um, kipp sie, konter, drück sie durch, setz die Spitzen Stück für Stück, bis der ganze Takt zurückschlägt. Denn nach Säge, Schutt und Schienen, nach geklauten Gegenbildern, Professor, Perfektion und präzise platzierten Spitzen, kippen, kontern, brechen, pressen, Perspektiven gegeneinander, bis ausgerechnet du am Ende diesen Satz dazwischenstellst: „Die Ordnung tanzt im Chaos, und das Chaos findet Takt.“ Ach. Na guck. Du klopfst gegen Ordnung, bis sie tanzt, lässt das Chaos laufen, bis es Takt hat, kippst Perspektiven, packst den Punkt, brichst Betonung, nicht den Sinn, setzt den Druck genau dahin, wo er die Bedeutung trifft, Kante gegen Klang, Punkt gegen Punkt, bis plötzlich beides … Noch was. Guck noch mal auf das Cover von „Nimm Platz.“ Genau hin. Innenlaut. trägt keine Caps. … Der da sitzt? Das bin ich. Vorlaut. Er hat mich schon hingesetzt, bevor du überhaupt Platz genommen hast.