"Ich verkünde große Freude, Die Euch widerfahren ist; Denn geboren wurde heute Euer Heiland Jesus Christ!“ Jubelnd klingt es durch die Sphären, Sonnen kündens jedem Stern, Weihrauch duftet auf Altären Glocken klingen nah und fern. Tageshell ists in den Räumen Alles atmet Lust und Glück Und an bunten Bäumen Hängt der freudetrunkne Blick. Fast ists, als ob sich die helle Nacht in Tag verwandeln will; Nur da oben in der Zelle Ists so dunkel, ists so still. Unten zieht des Festes Freude Jetzt in alle Herzen ein; Droben ist mit seinem Leide, Seinem Grame er allein. Unten wogt es durch die Gassen Lebensfrisch und lebensrot Droben kämpft mit leichenblassem Angesicht er mit dem Tod Zitternd lehnt er an der Mauer Von des Fiebers Angst umkrallt Und es fliegen tiefe Schauer Durch die zuckende Gestalt Seine bleichen Lippen beben Fieberhaft erglüht das Hirn, An den kalten Eisenstäben Kühlt er seine heiße Stirn Betend faltet er die Hände, Hebt das Auge himmelan: „Vater, gib ein selig Ende Dass ich ruhig sterben kann. Blicke auf Dein Kind hernieder Das sich sehnt nach Deinem Licht, Der Verlorne naht sich wieder, Geh mit ihm nicht ins Gericht." Da erbraust im nahen Dome Feierlich der Orgel Klang Und im majestätschen Strome Schwingt sich auf der Chorgesang: „Herr, nun lässest Du in Frieden Deinen Diener schlafen gehn Denn sein Auge hat hienieden Deinen Heiland noch gesehn.“ Und der Priester legt die Hände Segnend auf des Toten Haupt. „Selig ist, wer bis ans Ende An die ewge Liebe glaubt. Selig, wer aus Herzensgrunde Nach der Lebensquelle strebt Und noch in der letzten Stunde Seinen Blick zum Himmel hebt Suchtest Du noch im Verscheiden Droben den Versöhnungsstern, Wird er Dich zur Wahrheit leiten Und zur Herrlichkeit des Herrn. Darum gilt auch Dir die Freude, Die uns widerfahren ist; Denn geboren wurde heute Auch Dein Heiland Jesus Christ!“


