O glaube nicht, du seist verlassen, Wenn dir kein Mensch zur Seite steht. Lern nur den leisen Hauch erfassen, Der, wenn du klagst, dich lind umweht. Es zieht ein sinnenfremdes Mahnen Dein geistig Wesen zu sich hin: »Willst du, willst du denn gar nicht ahnen, Dass ich, dein Engel, bei dir bin?« O wolle nicht darüber trauern, Dass dich kein Mensch im Herzen trägt. Dort, jenseits unsrer Kirchhofsmauern, Gibts einen Puls, der für dich schlägt. Er hat für dich schon hier geschlagen, Und fühlst du ihn, so sagt er dir: »Du wirst auf Flügeln stets getragen; Ich bin dein Engel; glaub es mir!« O lass dir nicht ins Auge steigen Des Leides stille Thränenflut. Wiss, dass grad in den schmerzensreichen Geschicken tiefe Weisheit ruht. Grad in des Lebens schwersten Stunden Spricht tröstend dir dein Engel zu: »Durchs Leiden hast du mich gefunden; Ich bin getrost; nun sei's auch du!«