Manchmal frage ich mich, wie lange ein Mensch Dinge in sich tragen kann, bevor sie schwerer werden als er selbst. Nicht, weil niemand da wäre, der zuhören würde. Sondern weil ich gelernt habe, Räume in mir zu bauen, in denen ich alles einschließe, was zu laut, zu schwer oder zu verletzlich geworden ist. Von außen wirkt vieles ruhig. Die Fenster sind offen. Das Licht brennt. Und wahrscheinlich würden viele sagen, dass doch alles in Ordnung aussieht. Aber tief in mir gibt es Türen, die seit Jahren verschlossen sind. Dahinter liegen Worte, die ich nie ausgesprochen habe. Ängste, die ich lieber verschweige. Träume, über die ich kaum noch spreche. Und ja… ich habe jemanden an meiner Seite. Jemanden, der mir zuhören würde. Doch jedes Mal, wenn ich kurz davor bin, wirklich ehrlich zu werden, kommt derselbe Gedanke zurück. Was, wenn ich ihn damit belaste? Was, wenn meine Dunkelheit irgendwann auch auf ihn übergeht? Also schweige ich wieder. Ich lächle. Ich nicke. Ich sage, dass alles okay ist. Weil es einfacher ist, als erklären zu müssen, warum es gerade nicht okay ist. Wenn ich versuche zu reden, kommt es selten ruhig aus mir heraus. Es ist eher, als würde etwas in mir aufbrechen, das viel zu lange unter Druck gestanden hat. Meine Brust zieht sich zusammen, als würden unsichtbare Hände mit jedem Gedanken ein Stück fester drücken, bis selbst Luft plötzlich Arbeit wird. Jeder Atemzug wird schwerer. Mein Körper spannt sich an, als müsste er kämpfen gegen etwas, das niemand außer mir sehen kann. Und meine Stimme… Meine Stimme klingt dann oft härter, als ich es eigentlich bin. Fast wütend. Fast kalt. Fast so, als würde ich angreifen. Aber das ist keine Wut. Zumindest nicht nur. Es ist Angst. Es ist Überforderung. Es ist Verzweiflung. Es ist all das, was so lange keinen Platz hatte, dass es nur noch mit Wucht nach draußen findet. Vielleicht ist mein größter Traum am Ende gar nichts Großes. Kein Reichtum. Kein Ruhm. Kein Wunder. Vielleicht wünsche ich mir einfach nur einen Tag, an dem mein Körper nicht bei jeder Unsicherheit Alarm schlägt. Einen Tag, an dem Angst nicht mit mir aufwacht. Einen Tag, an dem ich reden kann, ohne dass mich meine Gefühle übermannen. Einen Tag, an dem ich nicht das Gefühl habe, zu viel zu sein. Vielleicht ist mein größter Traum… gar nichts Spektakuläres. Vielleicht wünsche ich mir einfach nur, irgendwann unbeschwert leben zu können. Ohne Angst. Ohne Masken. Ohne ständigen Kampf. Einfach atmen. Einfach sein.