
[INTRO – leises Bandrauschen, Papier, entfernter Herzschlag] [Robotic voice] Name. Geburtsdatum. Aktenzeichen. Vorgangsnummer. [Pause] [Female spoken, ruhig] Und jetzt sagt mir: Wo genau steht hier eigentlich der Mensch? [DEEP LOG DRUM] [VERSE 1] Du wirst geboren, bekommst eine Nummer. Du wirst krank, bekommst eine Nummer. Du brauchst Hilfe, bekommst eine Nummer. Du fällst, du kämpfst, du stehst wieder auf – und irgendwo wird daraus ein Vorgang. Ein Satz über dich. Ein Kreuz. Ein Feld. Eine Bewertung. Menschen schreiben über Menschen, die sie kaum kennen. Und irgendwann liest du deine eigene Akte und erkennst dein Leben zwischen den Zeilen nicht mehr wieder. [PRE-CHORUS] NUMMER EINS. AKTE AUF. NUMMER ZWEI. STEMPEL DRAUF. NUMMER DREI. WEITERGEBEN. UND WER FRAGT: WIE GEHT ES DEM MENSCHEN? [CHORUS] DU BIST ’NE NUMMER! SO LANGE, BIS DU DICH WEHRST. DU BIST ’NE AKTE! SO LANGE, BIS DU SELBST ERZÄHLST, WER DU BIST. BAM BAM BAM! ICH BIN KEIN VORGANG! BAM BAM BAM! ICH BIN KEIN FALL! IHR KÖNNT MEIN LEBEN IN ORDNER HEFTEN – ABER IHR ENTSCHEIDET NICHT, WER ICH BIN. [VERSE 2] Ich habe Seiten gelesen, die über mich sprechen. Sätze, die Entscheidungen tragen. Worte, die Jahre überleben, obwohl der Mensch, der sie schrieb, längst am nächsten Schreibtisch sitzt. Mitarbeiter wechseln. Zuständigkeiten wechseln. Erinnerungen nicht. Ein neues Gesicht. Eine neue Einschätzung. Ein neues Narrativ. Und wieder sitzt derselbe Mensch auf der anderen Seite des Tisches und soll erklären, warum seine eigene Geschichte nicht in eure Geschichte passt. [Female spoken] Vielleicht ist das das Verrückteste daran: Du musst irgendwann beweisen, dass dein eigenes Leben wirklich dein Leben war. [DROP] [CHORUS] DU BIST ’NE NUMMER! SO LANGE, BIS DU DICH WEHRST. DU BIST ’NE AKTE! SO LANGE, BIS DU SELBST ERZÄHLST, WER DU BIST. BAM BAM BAM! ICH BIN KEIN VORGANG! BAM BAM BAM! ICH BIN KEIN FALL! UND KEIN SCHWARZER BALKEN KANN AUSLÖSCHEN, WAS EIN MENSCH ERLEBT HAT. [BREAK – nur Klavier und entfernte Stimmen] [Female spoken] Das hier ist keine Rache. Ich brauche eure Namen nicht. Ich brauche keine Gesichter. Ich habe meine Geschichte. Ich habe meine Texte. Ich habe meine Erinnerungen. Und ich habe gelernt, zwischen dem zu unterscheiden, was ich weiß, was ich belegen kann, und dem, was es mit mir gemacht hat. [Pause] Das reicht. [BRIDGE – dunkler Gospelchor wächst langsam] Eine Akte kennt mein Geburtsdatum. Aber nicht meine Angst. Sie kennt meine Adresse. Aber nicht die Nächte, in denen ich nicht schlafen konnte. Sie kennt Entscheidungen. Aber nicht ihren Preis. Sie kennt Zahlen. Aber keine Seele. [Choir, leise] KEINE SEELE. [Female] Und genau deshalb brauchen Geschichten Stimmen. [BUILD] [Female] NAME? [Choir] MENSCH! [Female] AKTENZEICHEN? [Choir] MENSCH! [Female] VORGANGSNUMMER? [Choir] MENSCH! [Female] UND WAS STEHT HINTER ALL DEM? [Choir] EIN LEBEN! [FINAL CHORUS] DU BIST ’NE NUMMER? NEIN. ICH HAB EINEN NAMEN. DU BIST ’NE AKTE? NEIN. ICH HAB EINE STIMME. BAM BAM BAM! JETZT WIRD ERZÄHLT. BAM BAM BAM! JETZT WIRD HINGESEHEN. IHR HATTET DAS PAPIER. ICH HABE DAS LEBEN. UND DIESMAL SCHREIBT NICHT DIE AKTE DAS LETZTE WORT. [OUTRO – Aktenordner schließt] [Robotic voice] Vorgang abgeschlossen. [Silence] [Female whispered] Nein. Er fängt gerade erst an. [HEARTBEAT] [END]

